November 2021 – November Rain

Schwer!

Wie immer bekommt der Monatsbericht, diesmal für den November, einen Liedtitel als Headline verpasst. Ich war mir bei keinem Monat so sicher welchen Titel ich nehmen würde wie beim sogenannten „Schlechtwettermonat“, dem elften im Kalender.

Und nie habe ich letztlich so geschwankt wie im November!

Ein Kopf an Kopf Rennen lieferte sich der alte und in meinem Leben etablierte Guns ´n Roses Song letztlich mit dem sehr viel frischeren „JETZT ist Sommer“ von den Wise Guys.

Warum diese Zweifel – nun, zuallererst hat sich der Sommersong von den Wise Guys vorgedrängelt, weil der November im griechischen Dodekanes einfach ein weitgehend spätsommerlicher Monat war.

Panteli Beach – 22.11.2021

Wir waren am Strand und konnten baden, wir haben die Sonnenstunden in vollem Umfang genossen – herrlich!

Agios Nikolaos Beach – 08.11.2021

Nicht zuletzt auch, weil ich bis heute streng verweigere lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen – meine Antwort auf Nachfragen war eigentlich immer „…Sommer ist was in Deinem Kopf passiert…“ – und ich liebe den Sommer einfach!

So lag es auf der Hand, dass sich der Refrain von „Jetzt ist Sommer“ irgendwie platziert hat, er hat sich durch die Hintertüre eingeschlichen…

„Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Es ist Sommer, ich hab das klar gemacht
Sommer ist wenn man trotzdem lacht“

Warum hat nun „November Rain“ das Rennen gemacht? Nun, zunächst deshalb weil speziell in der letzten Woche des November die zu erwartende Wetterverschlechterung auch eintrat. SW-Winde waren angesagt, diese bringen etwas höhere Temperaturen, wir haben immer noch um die 20°C tagsüber, aber auch Wolken und temporär Regen.

Regenfront in Agia Marina – schnell die Helme holen!

Diese Wetterlage führt dazu, dass an manchen Stellen das Meer sehr unruhig wird und durch den angestiegenen Wasserspiegel auch über die Ufereinfassungen tritt.

Lakki am 30.11.2021 – Hauptstrasse

Dies war der Hauptgrund, dass ich mich an „November Rain“ zurückerinnert habe, das sehr viel tragendere Lied. Es gibt einen weiteren Grund der uns ein wenig Melancholie einhaucht, doch dazu später mehr…

Der November fing mit einem kleinen Ausflug an. Wie schon im Oktoberbericht geschrieben, saßen wir zum Monatswechsel auf gepackten Taschen. Wir hatten Fährtickets nach Kreta gebucht um Freunde zu besuchen. Geplant war eine Motorradtour, wir waren also am Abend im Port von Leros um dort auf unseren Transport nach Piräus zu warten.

Der stählerne Riese kam pünktlich, schluckte das Motorrad samt mir und auch die treue Gattin, welche zu Fuß vorauseilte während ich das Zweirad im Bauch des Transporters parkierte.

Diese Taktik hatten wir uns überlegt, weil wir für die erste Passage keine Kabine mehr bekommen hatten. Sibylle eilte sofort an die Rezeption um nach kurzfristig freigewordenen Schlafstätten zu fragen und um uns auf die Warteliste setzen zu lassen – ich nehme es vorweg, es hat nicht geklappt!

Gott sei Dank waren unsere gebuchten Pullman Sitze nicht stark belegt, so dass wir uns irgendwie hinlegen und ein wenig schlafen konnten. Ok, erholt ist anders – aber was hilft das Klagen?

Nach 9h Fahrt kamen wir in Piräus an, machten uns zur Disembarkation fertig und verließen den Schlund des BlueStar Riesen.

Warum bitte Piräus? Das ist nicht der nächste Weg!

Stimmt! Wir hatten uns etwas verkalkuliert. Im Sommer kann man über Rhodos und dann mit einem Seajet sehr viel schneller nach Kreta kommen – aber eben nur im Sommer. Dieser Sommerfahrplan endete eine Woche vorher, ein Verschieben war aber aufgrund der Aufenthaltszeiten unserer Freunde auf Kreta nicht möglich.

So what? Wir haben Zeit und daher unsere Ideen und Pläne einfach angepasst. In Piräus kennen wir uns aus und die Taktik dort lautete – ab in die ZEA Marina und dort, in diesem wunderschönen Umfeld, den Tag Wartezeit überbrücken.

Gesagt – getan!

Unsere BMW in der ZEA Marina / Piräus

Wir haben hier, wie ich bereits im August, erst einmal gefrühstückt und den herrlichen Sommertag bei Sonnenschein genossen – so darf ein Tag beginnen.

Danach haben wir uns ein wenig die Beine vertreten und haben einen Bummel durch die angrenzenden Gassen und Stadtteile gemacht. Das Bike, mit Gepäckrolle, stand sicher und wir konnten unbeschwert losmarschieren.

Da ich Sibylle unbedingt THE ALEX zeigen wollte, das Hotel in dem ich mit Mischa während meiner Elring Abschiedstour gewohnt habe, kamen immerhin 10km Strecke zusammen. Das hat uns gut getan, der Cappuccino auf der Dachterrasse des ALEX war wohlverdient.

Mischa – wir haben an Dich gedacht!

Zurück in der Marina war Kaffeezeit und wir haben ein homemade Eis zur Kaffeespezialität genossen – immer mit dem Blick auf die Superyachten der Superreichen!

Überhaupt scheint diese Marina der Sammelpunkt für Megayachten zu sein – wir haben noch einen Marinabummel gemacht und dabei eine Yacht größer als die andere gesehen. So z.B. die 17. größte Privatyacht der Welt die dem Premierminister (oder so) aus Katar gehört – die durften wir nicht einmal aus der Nähe fotografieren…

Na dann lieber ans Dinner denken, die Abfahrt des Zubringers nach Kreta rückte schließlich näher. Wir haben uns sehr über das reichhaltige Angebot in der Marina gefreut – hier gibt es von TexMex über Italien bis zum Asiaten (fast) alles – immer nur Giros geht halt auch nicht!

Frisch gestärkt hieß es auf in den Piräus Port, Dock E4, dort fuhr der weiße Riese der ANEK mit Ziel Kreta ab. Diesmal hatten wir eine Kabine welche wir nach dem üblichen Procedere auch sofort aufsuchten.

Sibylle war happy, keine Stockbetten! Getrieben durch unsere Müdigkeit, welche aus der unruhigen Vornacht resultierte, gepaart mit der Tatsache, dass es sich bei der „Kriti1“ nicht um ein ausgesprochenes Kreuzfahrtschiff handelt, sind wir noch VOR der Abfahrt der Fähre in die Koje und haben geschlafen bis der Wecker zum Aufbruch mahnte und wir auf die Strassen Kretas gespuckt wurden…

Hier war, das wussten wir, das Wetter spürbar durchwachsener als im Dodekanes, es war gemeldet, dass wir mit bewölkten und eventuell sogar regnerischen Tagen zu rechnen hätten.

Ok, ganz so schlimm war es nicht, zudem wurde das Wetter während unseres Aufenthaltes immer besser, aber erstmal waren wir ernüchtert – mussten wir doch auf dem Weg zu unserem ersten Ziel einmal die Insel von Nord nach Süd überqueren. Das hieß einmal über die wolkenverhangenen Berge zu touren.

Eine knappe Stunde später, wir hatten richtig Glück den Regenschauern „davongefahren“ zu sein, kamen wir in unserem Zielort Kamilari an.

Es wurde uns geheißen, hier am Friedhof zu warten. Man würde uns abholen und zu unserer Unterkunft geleiten. Das Haus von Ulrike und Jörg sei schwer zu finden. Das klappte prima, Ulrike gabelte uns auf und schon fünf Minuten später checkten wir in unserer Unterkunft, einem der „Gästewürfel“ ein – wunderschön!

Hier wohnen wir eine Woche

Das Haus der Freunde ist ein ehemaliges Bed & Breakfast, es ist offen ob dies als solches weitergeführt wird. Die Perfektion des professionellen Betriebes merkt man an fast jeder Ecke – ein herrliches Anwesen.

Hier waren wir mitten in der Natur, in absoluter Ruhe, zwischen Olivenbäumen und Aloe Gewächsen.

Der Tag verging rasch! Wir haben erst einmal ausgedehnt gefrühstückt, haben dann einen Spaziergang in den Ort gemacht. Dieser führte uns am Friedhof vorbei. Wer dem Blog länger folgt, weiß um Sibylles Vorliebe für solche Plätze, so war es kein Wunder, dass wir auch hier einen Stop eingelegt haben.

In Kamilari angekommen, sind wir zunächst über den Dorfplatz geschlendert um uns einen ersten Eindruck zu holen – schön hier!

Danach haben wir die einzelnen Gassen erkundet und allerlei nette Kleinigkeiten entdeckt.

Die Besichtigung eines griechischen Dorfes ist unvollständig, wenn man nicht auch bei der Dorfkirche vorbeigesehen hat – dieser Verpflichtung folgend, führte unser letzter Schwung vor dem wohlverdienten Spazierbier schnurstracks zum Gotteshaus.

Kamilari hat einen schönen ersten Eindruck hinterlassen. Das freut uns, haben sich doch zwei befreundete Paare entschieden, Phasen Ihres Lebens hier zu verbringen.

Es sei erwähnt, dass auch wir Kamilari – auch ein Zufall – auf dem Schirm hatten, weil wir hier während unserer Immobilienrecherchen eines der interessantesten Häuser gefunden hatten. Dieses ging mir nicht aus dem Kopf und ich hatte es immer als „Vergleichsgröße“ bei anderen Hausbesichtigungen aufgeboten. Dieses Haus ist inzwischen verkauft, aber ich wollte meinen Kopf aufräumen. Wir haben das Haus gesehen, es war auch in Natura echt schön, aber ich habe meinen Frieden gefunden.

Zurück im Haus unserer Freunde, haben wir noch einmal den Blick von der Dachterrasse genossen…

Beim Rundumblick entdeckte ich den Pool in der Gartenecke – ob ich mal…??? Der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, war ich schon im kühlen Nass!

Wobei „kühles Nass“ es hier im Wortsinn recht gut trifft – ich musste feststellen, dass unbeheizte Pools tatsächlich spürbar kälter sind als das Meer zu dieser Jahreszeit. Brrr – Foto und nix wie raus!

Die Sonne ging unter und versetzte die Region in ein zauberhaftes Licht…

Für uns war es Zeit an ein Abendessen zu denken. Da auch hier nicht mehr alle Tavernen und Restaurants offen haben, zudem Steigerungspotential bleiben sollte, haben wir den ersten Abend bei einer Pizza ausklingen lassen.

Pizza gut, mal wieder Live-Music, was willst Du mehr? Das mit dem Steigerungspotential war auf einmal nicht mehr so sicher!

Ahhhh, so gut geschlafen! Und endlich mal wieder in einer richtigen Dusche geduscht, herrlich! Neuer Tag, neues Glück…

Heute sind wir mit dem Motorrad die Küste entlang gefahren um dort einerseits die Strände der Region anzusehen…

…anderseits die Küstenlinie als solche kennen zu lernen. Hierzu sei erwähnt, dass wir während unseres Kreta-Törns 2019 bereits hier in der Ecke waren, Matala ist nicht weit, aber eben auf die Details der umliegenden Orte nicht geachtet hatten.

Es ist schön hier, schroffe Felsformationen treffen auf einladende Sandstrände, das Hinterland ist grün, die Berge des Hinterlandes drängen sich ins Bild.

Wir hatten mit unserem Gefühl für den Süden Kretas, als wir zum ersten mal Immobilien in Griechenland angesehen haben, einen guten Riecher gehabt. Hier gefällt es uns. Da half doch gleich der Zufall etwas weiter – wir hatten neben dem oben beschriebenen „Lieblingshaus“ noch ein weiteres Objekt am Schirm. Da war es perfekt, dass ein Bekannter unserer Freunde dieses Objekt kannte und uns dorthin begleitete – so haben wir die Gelegenheit bekommen dieses Haus anzusehen.

Wie sich bald herausstellen sollte, war auch dieses Objekt inzwischen verkauft, aber wir erwischten uns immer häufiger bei Immobiliengesprächen – na egal, dafür sind Bootspausen ja da!

Der Abend nahte, es wird rasch dunkel zu dieser Jahreszeit, so fuhren wir wieder in unsere Herberge um mit Jörg und Ulrike zu Abend zu essen. Auf diesem Weg kamen wir an einem Neubau vorbei, traumhafte Lage, exorbitanter Blick auf´s Meer und der Pool leuchtete in der Nacht!

Wer wohl so ein Haus in die Landschaft stellt? Nun, das sollten wir noch erfahren!

Der nächste Tag begann komisch. Der Bekannte der uns das Haus gezeigt hatte, rief bei den Freunden an, dass er selbst auch eines zu verkaufen hätte. Neu renoviert, klein, aber zu einem Dumpingpreis – komisch, so deutlich hatten wir unser Interesse für Immobilien nicht durchklingen lassen! Egal, auch das kann man mal ansehen…

Hmmm, hier war etwas Fingerspitzengefühl gefragt! Ich weiß nämlich genau was ich nicht will – DAS! Aber wie bringt man dies dem hilfsbereiten Hellenen bei? Zu klein, die Kinder, Sie wissen schon, Garten, blabla – wir denken, er hat es angenommen ohne beleidigt zu sein.

Dieser Schneiderfahrt musste Entspannung folgen – es wurde der „Tag der Strandbar“ ausgerufen und als Ziel ein sogenanntes „must see“ der Gegend erchoren, die „Bunga Bunga Bar“.

Ein colles Etablissement, zugegeben! Man sitz schön, direkt am Wasser, und ich stelle mir vor wie es hier im Sommer abgehen muss. Ich erinnere, wir haben November.

Während ich so sitze und, als Segler, sinniere wie weit „the City of Sails“, wie weit Auckland entfernt ist, mich dabei frage, ob ich diese Stadt jemals auf eigenem Kiel erreiche, stelle ich fest, dass man hier das Bier wirklich eiskalt trinkt…

Eisflocken im Glas

…nun, ich hätte gewarnt sein müssen! Obwohl ich mich an die Vergleichsgröße nur noch nebulös erinnern kann.

Während ich mich so dem Standardgetränk der Männerfraktion widme, hat sich Sibylle etwas stilechter für einen Beach Cocktail entschieden. Auch der eine Wucht – die Bunga Bunga Bar bekommt als Location von uns 10 Punkte!

Inzwischen war auch das Wetter besser geworden, es war tagsüber sommerlich warm und die Sonne zeigte sich stundenlang. Wir haben die Stunden genossen und natürlich mehrere Dutzend Sonnenuntergangsbilder geschossen – es ist aber auch zu schön!

Diese Sonnenuntergänge sind auch eine gute Gelegenheit die GS mal ins rechte Licht zu rücken. Ich habe auch mal ein Bild – nämlich dieses – an die Instagram Gruppe der GS Piloten geschickt…

…ist aber nie erschienen! 😦 Vielleicht ist die kleine GS650 vor einem Strand in Kreta eben doch nicht so sexy wie Ihre Große 1250er Schwester in der Wüste Gobi???

Diese Strandausflüge hinterließen Spuren, denn wir haben uns mit der GS soweit vorgewagt wie es eben mit den Reifen ging – und dabei mächtig Sand geschaufelt!

Egal! Ich habe jeden gefahrenen Kilometer genossen, Sibylle fürsoglich pilotiert – das Bike hat sich bezahlt gemacht und inzwischen für viele spaßige Momente gesorgt. Es verleiht uns die gewünschte Mobilität!

Wieder galt: Neuer Tag – neues Glück!

Heute stand der Ausflug nach Matala an, hier wollte ich noch einmal her, hier ist schließlich mein Credo an der Wand verewigt, an der die Hippies der späten 60er Jahre es erstmals angebracht haben sollen.

Matala ist ein schönes, touristisches Dörfchen. Auch außerhalb der Saison waren noch fast alle Geschäfte geöffnet und es boten sich mannigfache Shopping-Optionen…

…ich habe gelernt, dass CBD nicht THC ist, fand den Hinweis aber trotz mangelndem Kaufinteresse irgendwie witzig. Auch darüber hinaus zeigte sich Matala wieder als lebendiges Örtchen – es war bunt hier…

An den jeweiligen Abenden besuchten wir die verschiedenen Tavernen von Kamilari – alle, wirklich alle, haben vollumfänglich überzeugt. Leider waren weitere Restaurants bereits geschlossen, es soll somit noch Steigerungsmöglichkeiten geben, aber bereits das bisher „Erschmeckte“ hat uns überzeugt! Kamilari bietet den Liebhabern der griechischen Küche einige Alternativen!

Zeitsprung, der nächste Morgen – Rethymnon, wir wollen nach Rethymnon! Da waren wir bereits 2019, hatten einen sehr guten Eindruck und wollten noch einmal durch die Gassen bummeln. Zudem kannten wir die „Trinité“, das Schiff unserer Freunde noch nicht – der erste Weg führte also in die Marina.

Der Weg zur „Trinitè“ führte uns an einem Schiff vorbei das wir kannten und auf dem wir schon zu Gast waren – die „Sail Away“ von Gert und Christiane – das Foto war willkommen als Information, dass es dem Schiff gut geht!

Wo war denn nun die „Trinité“? Ah, nur ein paar Schritte weiter, die Seglerwelt ist letztlich auch klein, lag die Moody unserer Freunde die wir ausgiebig besichtigen durften bevor sie in ihre Winterpause geschickt wurde.

Während die Freunde die Einwinterungsarbeiten erledigten, ich hätte gerne geholfen, durfte aber nicht, war Sibylle der Appetit nach einem Eis – so machten wir uns auf den Weg die Riva entlang – hinein in die Stadtmitte…

…alleine der Weg in die Stadt ist bezaubernd, vorbei am alten venezianischen Hafen und den anderen Sehenswürdigkeiten von Rethymnon.

Hier, im alten Stadtzentrum, haben wir uns später wieder mit Ulrike und Jörg getroffen um den Abend bei einem gepflegten Abendessen ausklingen zu lassen. Die Auswahl der Tavernen ist auch im November riesig, wir haben uns von TripAdvisor leiten lassen und haben die Taverne empfohlen bekommen die wir schon aus 2019 kannten – na das kann so falsch nicht sein, wir waren wieder sehr zufrieden!

Ach ja, was war eigentlich mit den anderen Freunden?

Ihr erinnert Euch an den herrlich illuminierten Swimming-Pool den ich beschrieben hatte? Nun, am Tag nachdem wir das herrliche Haus gesehen hatten, waren wir mit den Karlsruhern verabredet – Ihr erratet natürlich schon wohin uns die Zielansteuerung des Mobiltelefons geführt hat – genau! – zu dem Haus mit dem Swimming Pool!

Ein Traum! Wir konnten Ursula und Andi ab und an besuchen und die Beiden nahmen sich Zeit für uns obwohl noch viel um das Haus herum zu organisieren war. Wir haben speziell den Kaffee und Kuchen auf der Terrasse sehr genossen und hoffen, dass wir eines Tages wieder kommen dürfen.

Das ist der Ort für „Summer Vibes“, das wissen die Beiden, das kommt auch rüber – alles richtig gemacht!

Der Tag der Abreise rückte näher, die Besuchswoche in Kamilari war zu Ende. Wir haben unser Gepäck in die Bikerolle gepackt, die BMW klar gemacht und uns nach und nach von allen Freunden verabschiedet.

Unser Ziel war Agios Nikolaos im Nordosten der Insel, der Ort in dem wir 2019 unseren Liegeplatz hatten. Hatte es auch mit dem Liegeplatz in der AN Marina nicht so gut geklappt, der Ort selbst war uns als sehr nett in Erinnerung geblieben. Er sollte Station für unsere nächsten Vorhaben sein.

Wir haben uns ein Zimmer in einem als „hervorragend“ (9,7) bewerteten Hotel an der Waterfront gebucht. Auch hier sollte der TripAdvisor Recht behalten – das Hotel war sehr schön, der Service außerordentlich freundlich und unser Zimmer einladend.

Weil wir die Tage ja nicht im Zimmer verbringen wollten, haben wir uns bewusst das günstigere, nach hinten gelegene Doppelzimmer ausgesucht – Trotzdem hatten wir einen schönen Überblick, das Hotel war sehr zentral.

Unser erster Weg führte uns zum Strand von Agios Nikolaos, den gleich bei der Marina. Diesen Strand und die netten Cafés haben wir während unseres Aufenthaltes hier sehr geschätzt.

Heute jedoch war der Treffpunkt bewusst gewählt, hatten wir hier doch eine Verabredung mit Caro, die wir aus einer Facebook Seglergruppe und aus diversen virtuellen Trans-Ocean Stammtischen kannten.

Das reale Zusammentreffen war ein sehr gelungenes, wir hatten viel Spaß und haben den ganzen Nachmittag miteinander verbracht.

Zum Dinner sind wir gemeinsam in unser Lieblingslokal aus 2019 gegangen, ich war nicht wenig überrascht als mich der Ober herzlich begrüßte als sei ich nie weg gewesen – Sibylle hat es nur mit einem Kopfschütteln quittiert…

Das Lokal ist eigentlich ein besserer Grill, hier treffen sich außerhalb der Saison die Locals und es besticht, neben dem Essen, mit einigen sehr netten Kleinigkeiten.

Wir haben gefragt – 20 Jahre!

Wir haben uns herzlich verabschiedet, Caro fuhr zurück in ihren Heimatort und wir sind friedlich und todmüde in unser Bett gefallen.

Das Frühstück wurde in unserem Hotel auf der Meerseite serviert – mit bestem Ausblick – ein perfekter Start in den Tag!

Ich gebe zu, manchmal sind die Bilder keine Schnappschüsse sondern gestellt. Das machen wir normaler Weise tatsächlich nicht so oft, selten sind Bilder bearbeitet – aber wer will der Tatsache IMMER ins Auge sehen?

Weil wir hin und wieder gefragt werden – eine sehr kurz gehaltene Information zum allgegenwärtigen Thema Covid. Griechenland hat auf dem Papier sehr strenge Covid Regeln und Maßnahmen. Diese werden allermeist auch eingehalten. Man muss aber auch sagen, dass die Toleranz zwischen den Menschen generell größer ist. Man lässt auch mal gewähren ohne sofort zu maßregeln. Offiziell wird die Umsetzung der Maßnahmen und Regeln aber verfolgt und auch kontrolliert – wir sind inzwischen dreimal bei Tavernen- und Cafeáufenthalten bezüglich unserer Legitimation kontrolliert worden. Generell gilt für uns die Maßgabe, dass wir Gäste in dem Land sind, wir halten uns daher an die Vorgaben und holen unser Frühstück eben mit Maske und Einmalhandschuh am Buffet – am Tisch gilt das Gebot selbstverständlich nicht.

Zurück zu angenehmeren Themen – ich habe vorhin unsere „Vorhaben“ erwähnt – dies war neben dem Treffen mit Caro noch eine geplante Besichtigung einer Immobilie und der dafür vereinbarte Maklertermin.

Das kleine Häuschen in einem etwas abseits gelegenen Ferienort hatte mich auf dem Papier nicht begeistern können. Zu klein der Grund, sicher ein Haken weil der Preis sensationell günstig war. Aber nichts dergleichen! Das Haus war super in das Grundstück geschnitten, hatte Meerblick von der Dachterrasse und war auch innen überzeugend.

Eine für diesen Preis sehr interessante Occassion welche uns durch die niederländische Immobilienfachwirtin auch in voller Pracht angeboten wurde – ich wurde nachdenklich…

Wenn sich dieser Zustand einstellt, ist es ratsam sich erstmal ans Meer zurückzuziehen und den Kopf frei zu machen. Welcher Platz bietet sich hier besser an als der Strand des Ortes in dem das Haus angeboten wurde?

Mich bewegten Fragen wie „…was passiert nach dem Segeln?“ oder „…werde ich nach Deutschland zurückkehren wollen?“ – final drehte sich alles um die Kernfrage ob wir uns vorstellen können auf einer griechischen Insel seßhaft zu werden – egal wann!

Mit diesem Mindset sind wir zurück in unser Hotel gefahren…

In Innenräumen mit Maske

…haben auf dem Weg in unser Zimmer Seltsames entdeckt…

…und dann, dort angekommen unsere Siebensachen gepackt – morgen hieß es Abschied nehmen von Kreta, unsere Fähre zurück nach Piräus war für den Abend gebucht.

Ein letztes Dinner im „Basilico“, auch dies ein Ort den wir schon kannten – Sibylle auch dabei immer im Kontakt mit der Familie, Videocalls allerorts.

Schwester Andrea am anderen Ende der Leitung

Wir aßen hervorragend und bekamen neben dem in Kreta üblichen Raki auch noch eine kleine Leckerei auf Kosten des Hauses – sehr aufmerksam, sehr lecker – aber der Figur, sofern es eine schlanke sein soll, nicht zuträglich!

Für unsere Rückfahrt nach Heraklion, der Hauptsatdt der Insel und der Heimat des Fährhafens, haben wir uns die Überlandstrecke ausgewählt – wir wollten einen letzten Eindruck von Kreta bekommen.

Die Strecke, nur ca. 70km lang, war kurvig, alpin, einladend – sie war so gut wie nicht befahren, da sich für die Verbindung der Hauptorte die Schnellstraße durchgesetzt hat. Wir hatten einen richtig schönen Motorradtag!

Dieser führte uns durch Fischerdörfer die zur Einkehr luden…

…und in denen am Morgen schon das Holzofenfeuer für die Lammgerichte am Abend loderte – ich kann es nur wiederholen, eine herrliche Fahrt!

So eine Tour zieht man natürlich gerne in die Länge, ich glaube wir haben für die 70km letztlich mehr als drei Stunden gebraucht. Nicht zuletzt weil wir nicht widerstehen konnten auch einmal einzukehren.

Als wir endlich in Heraklion ankamen war unser Plan klar. Wir kannten die Stadt, wussten wo wir hinwollten und was wir vorhatten, letztlich brauchten wir nur einen sicheren Platz für das Bike mit Gepäck. Hier haben wir unsere gewohnte Taktik angewendet – ab in die Yacht Marina…

…von hier aus konnten wir unbesorgt einmal durch die Innenstadt laufen und die Sehenswürdigkeiten dort nochmals betrachten.

Wir haben einen Kaffee getrunken, Sibylle hat sich zwei T-Shirts gekauft und ein paar Fotos geschossen, der Nachmittag verging rasend schnell.

In großen Städten haben wir immer ein wenig die Sorge in die Touristenfalle zu tappen wenn es um die Restaurantauswahl geht. Ich kenne in Heraklion zwei hervorragende Grills für Souvlaki und Giros, darauf hatte Sibylle aber keine Lust – was tun sprach Zeus?

Nun, wieder musste der TripAdvisor ran. Was er diesmal als Ergebnis ausspuckte konnten wir nicht glauben – das musste durch Google verifiziert werden – und tatsächlich, Bestnoten für das Restaurant der Marina! Na, wenn das kein Zufall ist – nix wie hin und gleich hervorragend zu Abend gegessen.

Nudeln mit Trüffel, Salat und Vorspeise – Marina Restaurant, ein Tip!

Es war Zeit auf die Fähre zu gehen – wir checkten ein, bezogen unser Zimmer und gingen sofort in den Salon, dachten wir doch Ulrike und Jörg hier noch einmal abschließend zu treffen. Wir Vier hatten die gleiche Abfahrtszeit am gleichen Tag – dass es sich um unterschiedliche Fähren handeln könnte, damit hatten wir nicht gerechnet. Eine WhatsApp brachte es an den Tag!

So blieb uns nichts als die Fähre der Freunde zu fotografieren und ein letztes Mal zu winken…

Ulrike und Jörg hatten sich für Minoan entschieden

…während wir auf dem Mobile schon ein Bild unserer Fähre erhielten. Auch uns wurde von unten zugewunken.

Wir fuhren ANEK – gleichzeitig!

Diesmal hatten wir, sehr zu Sibylles Missfallen, „Pech“ mit unserer Kabine! Wir bekamen eine Stockbettkabine und Sibylle musste ins Obergeschoss. Dort steht die Luft, es ist warm und insgesamt ist es eng – naja, Traumschiff geht eben anders.

Ich sehe das meist entspannt, mache meine Ohropax rein und schlafe. Ich bin zufrieden und glücklich, wenn ich am nächsten Tag, vor dem Auschecken, mein Bike unversehrt vorfinde!

Der Ablauf war der gleiche wie auf der Hinfahrt – fast! Wir haben uns, kurzfristig und hemdsärmelig, mit Ulrike und Jörg auf ein Frühstück in Piräus verständigt, wir wollten uns „ordentlich“ verabschieden. Zu diesem Treffen hatte auch mein griechischer Freund Harry zugestimmt, er konnte vor der Arbeit noch rasch Hallo sagen, wir waren bereits um 07.00 Uhr angekommen und hatten ein Café gefunden welches schon geöffnet hatte.

Leider hatte der TripAdvisor nicht gewusst, dass es um diese Uhrzeit zwar einen Kaffee gab, das gepriesene Frühstück aber erst ab 09.00 Uhr serviert würde – egal, so haben Sibylle und ich nach dem Good Bye eben in der ZEA Marina ein „echtes“ Frühstück geordert.

Danach alles wie gehabt, Stadtbummel, Eis, Cafébesuch. Schön, war´s, der Tag verging, entgegen unserer Befürchtungen, recht rasch. Sibylle hatte etwas mehr zu lachen als ich – weil mir nämlich im Café ein Vogel aus vollem Flug ins Gesicht geschissen hat. Man möge mir die deutliche Wortwahl nachsehen – aber mit Vogelkaka auf der Nasenspitze versagt meine poetische Ader…

Bringt das Glück???

Wir haben widerrum eine kleine Marinarunde gedreht und die Luxusyachten betrachtet.

Nicht die Größte!

Dabei ist uns aufgefallen, dass es guter Brauch zu sein scheint, dass man links und rechts des Eingangs ein Pflänzchen aufstellt.

Hochwachsende Bäumchen – buschig auf Motoryachten…
…ein wenig zurückhaltender auf Segelyachten…
…oder palmenartig, flacher und buschig auf den Megas!

So wenig mein Begehr nach einer dieser Riesenyachten mit Crew steht – solche Pflanzen am Eingang will ich auch. Dies haben wir nach unserer Rückkehr auf NESSAJA auch sofort umgesetzt!

Defensiv – Nutzpflanzen auf NESSAJA

Bevor es aber soweit war mussten wir eine letzte Fährfahrt zurück nach Leros hinter uns bringen. Ein letztes Mal das Bike einparkieren, ein letztes Mal die Kabine beziehen und neun Stunden mit dem Zubringer durch die Ägäis fahren – dafür gilt es, sich gehörig zu stärken. Dass sich die ZEA Marina dafür anbietet hatte ich ja schon beschrieben.

Nach dem Dinner ging es in den Port von Piräus, wir waren bereits online eingecheckt und konnten knapp vor „Boarding“ am Kai erscheinen. Hier haben wir unseren Segelfreund Dietmar getroffen und so verging die Wartezeit wie im Flug.

Wir haben an Bord noch einen Drink genommen um dann das Ablegen zu beobachten und dem nächtlichen Piräus noch ein letztes Ade zuzurufen. Dann haben wir versucht bis zum Weckerklingeln in unserer Kabine etwas Schlaf zu finden.

Auf wann stellst Du den Wecker wenn eine Fähre mit einer Stunde Verspätung ablegt??? Wir haben knapp kalkuliert und sind gut gelegen. Die Fähre legt um 04.45 Uhr in Leros an und wir klettern müde in NESSAJA um noch ein paar Stunden zu schlafen – hat geklappt, wir waren frisch und recht ausgeschlafen am Ankunftstag.

Inzwischen hatte ich die Nachricht, dass ein Päckchen für mich angekommen war. Es war keine Überraschung – hatte ich doch vor unserer Abfahrt Ersatzteile für meine alte ST50+ Wind bestellt.

Kein neues Projekt, einfach nur Ersatzteile um vorzusorgen. Etwas Schicksal war beinhaltet – die Anzeige hatte ich noch in Facebook in einer Flohmarktgruppe gefunden. Der Anbieter ist aber ein englischer Facebook Freund von mir, der Besitzer eines Schwesterschiffes (10 gebaute Einheiten), was ich doch für einen bemerkenswerten Zufall hielt. Habe ich schon erwähnt, dass ich die Seglerwelt für klein halte???

Alarm! Schwere Erkrankung beim Skipper!

Was war geschehen? Nun, ihr kennt das vielleicht, die Nase läuft, man bekommt schlecht Luft, muss Husten und Niesen, hat Kopf- und Gliederschmerzen. Das bedeutet Gefahr für Leib und Leben – der Skipper hat Schnupfen, eine garstige Form, Männerschnupfen!

Um sicher zu gehen, dass ein Männerschnupfen im Jahr 2021 auch ein solcher ist oder nicht etwa doch Corona zugeschlagen hat, wurde beschlossen, auch wegen des erhöhten Risikos durch die Reise, einen Covid-19 Schnelltest zu machen.

Es folgten 15 Minuten bangen Wartens…

Puuuuh – Glück gehabt!

So konnte der Skipper sich darauf konzentrieren seine Erkrankung auszukurieren, während sich in Leros weitere Geschäfte und Lokale auf die Weihnachtszeit vorbereiteten.

So zum Beispiel in unserem Supermarkt…

Dezente Zurückhaltung

…oder in der Konditorei, unserer Lieblingseisdiele!

American Style BLINGBLING
erste Büdchen – der Weihnachtsmarkt wird bald eröffnen

Ist das erwähnenswert? JA, meine ich! Weil die Besonderheit nämlich durch den Kontrast entsteht. Tagsüber scheint die Sonne und die Tavernen freuen sich nach wie vor über Gäste. Während also abends Kakao und Donuts zu Weihnachtsmusik gereicht werden, bereiten sich tagsüber die Tavernen auf die Gäste zum Fischdinner vor. Für deutsche Augen gewöhnungsbedürftig…

Am gleichen Tag fotografiert – Taverne am Panteli Beach

Es bot sich zwischenzeitlich eine weitere Gelegenheit zur Ersatzteilbestellung. In unserer Marina wurde ein leistungsstarkes Ladegerät und ein Inverter eines namhaften Herstellers angeboten. Beide Teile waren zwei Jahre alt und als Schnäppchen zu bezeichnen – willkommen, da wir ja im Sommer festgestellt haben, dass unser Ladegerät zu leistungsschwach ist.

Auch hieraus hat sich kein neues Spontanprojekt abgeleitet. Die Teile werden im Rahmen des Umbaus im Frühjahr 2022 verbaut, ich kann somit sagen, dass der November 2021 ein „bastel- bzw. projektfreier“ Monat war. Sibylle würde diese Tatsache eher mit einer gewissen Faulheit meinerseits beschreiben.

Das stimmt auch ein wenig, ich habe diesen Monat ohne Zwang vollumfänglich genossen und habe auch vermieden irgendeine Baustelle aufzumachen. Im Gegenteil, ich mochte das Wohnen auf NESSAJA und habe die Stimmung in der sich leerenden Marina mehr als genossen.

Sonnenuntergang vom Vordeck aus
Das Schauspiel von der Kaimauer der Marina – täglich!

Sibylle hat sich gefreut in Mireille und Roland Wanderpartner gefunden zu haben, die drei sind mehrfach zusammen auf Tour gegangen und haben entlegene Winkel unserer Insel erkundet. Auf diesen Touren gab es auch Skurriles…

Steht hier so rum…
Vogelscheuche?

…oder anderorts beeindruckende Natur zu sehen und zu bestaunen.

Der „Höllenschlund“ von Leros – hier geht´s nach Mittelerde
Naturschwimmbad
Vorherrschende Windrichtung? Eindeutig!

Mit Mireille und Roland konnten wir uns, obwohl wir die beiden schon seit Jahren kennen, intensiver anfreunden. Das war wirklich sehr schön, wir haben abermals neue Freunde auf Leros gefunden und die Einladung zum Abendessen in ihr Haus sehr gerne angenommen.

Die Vorspeise gab es noch auf der Terrasse mit bezaubernden Meerblick über die Bucht von Vromolithos…

…für den Hauptgang – eine superleckere Lasagne – mussten wir nach drinnen verholen, denn abends wird es schon empfindlich kalt.

LOVE it!

Tagsüber ist und war es aber sommerlich. So kam es uns gelegen, dass Thomas und Susanne zu einem Motorbootausflug einluden. Das Fahrtziel wurde mit der Nachbarinsel Kalymnos ausgerufen, geplant war zum Lunch in „Kostas Taverna“ einzutreffen und danach wieder in die Ausgangsbucht von Xirokampos zurückzufahren.

Susanne und Thomas haben und kurzfristig mitgeteilt, dass auch griechische Freunde von ihnen mitkommen werden, Stella und ihr Mann Tassos, das freut mich, eine weitere Gelegenheit Locals kennen zu lernen und sich mit ihnen anzufreunden.

Morgens um 09.00 Uhr ging es los…

Sophia – eine Sarronic 890

…die SOPHIA wurde klar gemacht und an den Kai von Xirokampos gebracht um die Gäste aufzunehmen. Wir haben das kleine griechische Schiff geentert und uns ein Plätzchen gesucht – Leinen los!

Während „Käptn Thomas“ SOPHIA auf Touren bringt und Kurs Kalymnos / Emporio anlegt, werden an Bord des Kutters eifrige Gespräche geführt.

Ob es sich hierbei um ernsthafte Inhalte handelte oder ob hier auch Seemannsgarn geponnen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der recht kurze Fahrtweg verging jedenfalls wie im Flug, es war ein traumhafter Tag um einen Motorbootausflug zu machen.

In Emporio angekommen, konnten wir direkt am Kai vor Kostas Taverne festmachen. Blick vom Boot auf die Terrasse und umgekehrt!

Hier leben und ein paar Talerchen dazu verdienen. Während ich mir noch den Kopf zermarterte, fand Sibylle diese Tafel welche mir in diesem Moment wie ein Wink des Schicksals vorkam – da muss ich nochmals drüber nachdenken…

Nach einem super Lunch, diesmal wirklich „all in“ zur Tischmitte und jeder greift zu – Greek Style eben – war es schon wieder an der Zeit zurück zu fahren. Die Tage sind kurz und es wird schnell kühl. Bei den Mädels von Kostas haben wir uns nochmal herzlich verabschieden können, es war der letzte Tag an dem geöffnet war. Ich mag die Beiden – wir kommen wieder, 2022, versprochen!

Es lag uns am Herzen, uns bei Thomas und Susanne für diesen herrlichen Ausflug zu bedanken. Da fiel uns eine Einladung in die „Persiana Churrasceria“ ein. Die bietet Brunch am Wochenende, das wollten wir gemeinsam probieren…

Salate und Vorspeisen
Beef Stifado
Lamb Slow Cooked

…um es vorwegzunehmen – das Essen war perfekt! Nur ein Brunch so wie wir es kennen war es nicht. Es stellte sich heraus, dass am Wochenende eben Frühstück ab 09.00 und Mittagessen ab 11.00 angeboten wird – da gab es wohl ein Missverständnis in der Kommunikation! Unser Fazit – das „Persiana Churrasceria“ bleibt eine Top-Adresse für Steaks zum Dinner, zum Brunch muss man nicht hin, es sei denn, man liebt ein halbes Schwein zum Mittagessen.

Mit voller Wampe fuhren wir zu NESSAJA zurück und beschlossen „heute Abend gibt es nur ein Eis!“ Ein Kompromiss mit dem ich gut leben konnte.

Hausgemachte Eisspezialitäten

Unsere Eisdiele ist ein Traum! Nette Damen die den Kunden die Wünsche von den Augen ablesen und zudem ein Sortiment welches seinesgleichen sucht…

Kleine Kuchen und Desserts
Cremes und Sauereien
Kekse und Spritzgebäck

Selbstverständlich gibt es hier auch die bekannten griechischen Leckereien – ebenfalls in einem extra Regal. Ich bin gar nicht so ein „Süsser“, aber bei diesem Angebot kann man schon in Versuchung kommen!

Susanne und Thomas hatten ihren Heimflug gebucht, auch hier hieß es Abschied zu nehmen. Wie macht man das am besten? Eine kurze Umarmung? Ein Drücker? Ein kurzes Winken?

Nicht in Griechenland! Hier kommt man zusammen, hier wird der Abschied gefeiert – das übernahmen kurzerhand Stella und Tassos indem sie beschlossen haben die Einladung zum „Good Bye“ in ein formidables Festessen umzuwandeln…

Da sollst nicht zunehmen – wie das geht soll mir mal einer verraten!

Mehr und mehr Weihnachten macht sich breit, Weihnachtsbäume und Nussknacker allerorts…

Mannshoch – Alice im Wunderland

…Weihnachtsbäume im Ort…

Christmas Tree vs. Palme

…Weihnachtsbäume in der Marina!

Apropos Marina, hier war einestags mächtig was los – eine Übung welche den Einsatz der Ölsperre und die Einweisung des Marinateams vorsah. Richtig Trubel hier und mittendrin die ELOWYN – eine Sekunde sah es so aus als ob die Maßnahmen ihr gälten, aber weit gefehlt!

Ach ja, die ELOWYN! Ganz faul war ich im November nicht – meine Aufmerksamkeit galt dem Schiff auf dem wir ab Mitte Januar wohnen werden. Ich habe Volker versprochen, mich um ein paar Dinge zu kümmern und ein Auge auf sein Schätzchen zu werfen.

So wurden zum Beispiel Häubchen für die Luken angefertigt, die haben Sibylle und ich angebracht.

Ein Andermal musste die Gasflasche vom Befüllen zurück geholt werden. Was zunächst nicht besonders klingt, erhält seine Note durch die Tatsache, dass das Befüllen ca. 6 Wochen (in unserem Fall 10) braucht und dass keinesfalls sicher ist, dass Du DEINE Bottle zurück bekommst. Meine Aufgabe war also immer wieder nach dem guten Stück zu fragen und zu nerven bis das Teil wieder in unseren Händen war – das kann ich!

Projekt Gasflasche – check!

Last not least – die Fenderüberzüge der ELOWYN! Bei der Fendergröße scheint es willkommen, dass der Hersteller „Black Friday Tage“ anbietet – das muss genutzt werden. Aber dafür sind Maße und Stückzahlen notwendig.

Mit Stift, Block und Maßband bewaffnet rückte ich den Gummipuffern zu Leibe um Maß zu nehmen…

…bei dieser Größe noch einfach, bei den 8XL Teilen fast schon körperliche Arbeit – dennoch, Projekt Fender – check!

Ansonsten wird es ruhig auf Leros, nach und nach schließen saisonale Tavernen, andere verlegen ihr Geschäft von draussen nach drinnen. Das ist für manche Überraschung gut, weil sich ganz reizvolle Plätze auftun die vorher vielleicht nicht so präsent waren.

Psaropoulo in Panteli
Konblauchbrot mit Olivenöl – zum Niederknien

In der Regel versuchen Sibylle und ich jetzt wieder jeden Tag frisch einzukaufen und zu kochen. Das gelingt oft und wir genießen die Abende am Schiff. An anderen Tagen gehen wir gerne auswärts Essen, oft mehr aus gesellschaftlichen Gründen – um etwas anderes zu sehen, um uns mit Freunden zu treffen.

Wir halten den Ball dann meist flach und gehen zum Burger essen…

…oder gönnen uns den „Klassiker“ – Giros Pita – für 2.30€ für die normale Größe oder 4.-€ für den GIANT.

Einige haben uns gefragt wie wir uns ver- und entsorgen. Nun, das ist recht einfach, es ist in der Marina ein wenig wie Camping. NESSAJA hängt am Strom, wir haben 220V für die großen Verbraucher, die Batterien vom Bordnetz werden vom Ladegerät gespeist.

Wir haben einen festen Wasserschlauch gelegt, mit dem füllen wir ca. einmal alle zwei Wochen unsere Brauchwassertanks (500 Liter) mit denen wir spülen und die Hände waschen. Die Toilette wird im Hafen nicht benutzt, dafür gibt es die sanitären Anlagen inclusive Duschen. Zu guter Letzt fülle ich noch den Trinkwassertank (60 Liter) ca. alle zwei Wochen mit Trinkwasser aus der öffentlichen Zapfstelle – dafür fahre ich viermal mit dem Motorrad und Kanister.

Als ich über unseren Besuch in Kreta geschrieben habe, habt Ihr viel über Immobilien gelesen. Ende der Geschichte? Nein, keineswegs, im Gegenteil – wir hatten auf Leros ein Grundstück direkt am Meer gefunden, attraktiver Preis, gute Lage, die richtige Größe, das ganze preisgünstig!

588qm direkt am Meer
Erschlossen und eben

Hier war ich zum ersten Mal bereit, in Preisverhandlungen einzutreten. Dies ist aber schnell gescheitert, weil der Anbieter sehr rasch den Haken hat wissen lassen – dem Grundstück fehlen wichtige Papiere, der Käufer müsse „ins Risiko gehen“. Nicht mein Fall, Danke für´s Gespräch!

Sibylle scheint zwischenzeitlich mit ihrem Mobiltelefon verwachsen zu sein, der Kontakt in die alte Heimat wird von Tag zu Tag wichtiger – verständlich, Enkelchen Benno wächst und gedeiht, die Vorfreude auf ein Wiedersehen wächst.

So gibt es allerlei Videochats – outdoor…

Otto! Wie geht´s dem Tyrannosaurus???

…und indoor!

Schon wieder nur 20% Akku

So verging der Monat November abermals wie im Flug, wir genossen und genießen die Momente die uns unser „Leben 2.0“ beschert jeden Tag auf´s Neue – und von diesen Momenten gibt es einige…

Agia Marina & Kastel – Vollmond / Blutmond

Was noch, ach ja, es gibt noch ein Corona-Thema. Ich möchte mich im Blog eigentlich nicht positionieren, schon gar nicht will ich bekehren! Ich bin tolerant und vertrete die Meinung, dass sich jeder selbst informieren muss um zu einer Überzeugung zu gelangen.

Hierfür sollte sorgfältig abgewogen werden bevor entschieden wird, so dass man auch bei nicht 100%iger Sachlage seiner Überzeugung folgen kann und sollte. So haben Sibylle und ich das auch gemacht. Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass unser Leben ohne eine Impfung zur Zeit nicht umsetzbar ist. Zudem denken wir, dass die Impfung hilft – so war es klar, dass wir dem Angebot zur Drittimpfung in Leros wieder Folge leisten.

Dies war wieder überraschend unkompliziert und ging sehr rasch vonstatten. Wir sind also gewappnet um auch in diesen Zeiten reisen zu dürfen und freuen uns auf Weihnachten bei unseren Kindern in Deutschland und die Besuche bei Freunden.

Hier wäre normaler Weise Schluss – es folgt ein Nachwort…

NOVEMBER RAIN

„Nothin‘ lasts forever
And we both know hearts can change
And it’s hard to hold a candle
In the cold November rain“

Nein, keine Sorge – Sibylle und ich mögen uns, wir haben aber erkannt, dass wir am Ursprungsgedanken nicht festhalten können. Hierfür gibt es viele Gründe, diese werde ich, für den Fall, dass wir unsere Meinung nicht noch einmal anpassen, in einem gesonderten Bericht darstellen.

Vielleicht vermutet Ihr es schon ob der vielen Informationen über Immobilien in Griechenland. Es sieht im Moment so aus, als ob wir NESSAJA in Bälde zum Verkauf anbieten werden und uns auf Leros sesshaft machen. Die Zeit dafür ist gerade günstig und wir müssen kopfgesteuert entscheiden, leider können wir nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

Das Leben in Griechenland schätzen und lieben wir, wir haben Freunde und ein Umfeld gefunden. Aber hier zehn Jahre im Kreis zu fahren steht nicht auf unser Beiden Wunschliste. Das Thema Weltumsegelung werden wir wohl nicht wie geplant umsetzen können, Covid ist ein Thema, die Sehnsucht nach der Familie ein anderes. Zugegeben, wir haben auch die Gap im Soll / Haben Abgleich für eine Weltumsegelung übersehen oder zumindest falsch eingeschätzt.

Es wird also Neuigkeiten geben – bleibt dran!

Der Wind weht kräftig, es scheppert und pfeift in den Fallen und Wanten. Das Wetter passt zur Stimmung! Verhalten, ein bisschen wehmütig und doch nach vorne orientiert.

Wir diskutieren viel um wirklich sicher zu sein, inwieweit wir unsere Ideen und Wünsche anpassen und welche Folgen dies für unseren 10-Jahres Plan hat.

In diesem Sinne wünscht die Crew der NESSAJA eine schöne Vorweihnachtszeit, eine staade Adventszeit und frohe Festtage. Rutscht gut rüber ins neue Jahr und bleibt gesund.

Der Monatsbericht Dezember folgt Anfang Januar – den Titel weiß ich heute schon! 😉

Oktober 2021 – Herbst auf der Insel

Wer mich gut kennt und / oder den Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich ein großer Fan der österreichischen Pop-Combo „STS“ bin. Hier haben es mir die Texte von Gert Steinbäcker besonders angetan. „Herbst auf der Insel“ ist ein weniger bekannter Song, aber einer, der die Stimmung die hier im Verlauf des Oktobers Einzug hält, exakt beschreibt.

Es ist Oktober – es ist Herbst auf der Insel! (Der Text ist am Schluss des Blogberichtes zu lesen)

Ich erinnere kurz an die Wettersituation Ende September…

Ich beendete meinen Blogbeitrag des September am 27.09. – es war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass wir wegen des kräftigen und relativ lang anhaltenden Meltemi bis zum 01.10. in Nisyros bleiben werden. So kam es dann auch! Wir haben hier ein wenig relaxt, gelesen, ich habe meine Logbucheinträge geschrieben und Franziska und Mikey, die ja noch ihren Urlaub an Bord verbrachten, sind mit Sibylle ein wenig spazieren gegangen.

Das Wetter war ja durchaus sehr gut, wir hatten Sonne, im Windschutz immer noch knapp 30°C – nur der kräftige Wind war frisch, hat die Temperatur gesenkt und im Schatten bzw. abends das Tragen einer Weste oder Jacke nötig gemacht. Naja, und die Frisur hat er auch ein wenig durcheinander gewirbelt…

Segeln war möglich, aber die Schaumkronen auf dem Meer haben klar gemacht – gemütlich geht anders!

Das konnte man auch durchaus erkennen, Chartercrews die Ihre Schiffe zurückbringen mussten stampften gegenan, wurden durcheinandergebeutelt und hatten wohl wenig Freude.

Wenig Freude hatte auch eine Männer-Chartercrew eines Lagoon 450F Katamarans. In Nisyros / Pali liegt man sicher, aber es herrscht Seitenwind am Quai. Der besagte Skipper brauchte geschlagene 2h um das zweirümpfige, schwimmende Wohnhaus in seine Lücke zu bugsieren. Er rammte zwei Schiffe und zog einem anderen Ankerlieger den Anker aus dem Grund, da kam Freude und Hektik auf. ALLE Anwesenden standen am Bug ihrer Schiffe und sahen zu, ohnmächtig zu helfen, besorgt – aber auch entsetzt über soviel Unkenntnis und Ignoranz.

Zurück zu schöneren Themen, zu unseren Wanderern – ich selbst ziehe mich da gerne raus, sofern Sibylle mich lässt bzw. wenn das Ziel nicht wirklich lohnend scheint. Da die Drei zur Inselhauptstadt Mandraki wollten, ließ ich mich auch durch das in Aussicht gestellte Eis nicht locken – ich wusste der Weg geht entlang der Hauptstraße…

Trotzdem hatte meine Crew einen schönen Tag, körperliche Bewegung und offensichtlich auch noch viel Spaß und ein paar nette Eindrücke.

Ich hatte neben dem Schreiben der erwähnten Logbücher noch allerhand nautische Vorbereitungen zu erledigen, so zum Beispiel Wetterberichte checken, Routenplanung, Tanks füllen und ein bisschen auf´s Ohr hauen.

Wir waren alle zufrieden und nach einer weiteren Nacht in Pali war es Zeit weiter zu reisen, der Wind hatte nachgelassen und wir konnten „Anker auf“ gehen – Symi wir kommen!

Meine Capetaña steuerte uns zuverlässig an der Küste von Nisyros entlang, Kurs Symi lag an und wir konnten derweil die Segel setzen. Der Wind kam aus der richtigen Richtung und war immer noch kräftig genug uns mit 6-7kn Fahrt Richtung Ziel voran zu treiben…

…aber nicht lange!

Die drei vorherrschenden Winde beim Segeln kennt Ihr ja, oder? Zuwenig Wind, zuviel Wind, Wind aus der falschen Richtung! Heute war ein Tag mit zuwenig Wind, zumindest für unser Schiff – wir brauchen einfach 10kn damit wir dem Ziel näher kommen. Also Segel rein und Motor an – Kurs bleibt gleich – Symi!

Wir suchten Schatten und vertrieben uns die Zeit mit der Ausschau nach Delfinen oder Schildkröten – die Einen beim stillen Sinnieren, die anderen bei einem Tässchen Kaffee, lässig ans Vorstag gelehnt…

…wieder Andere verfallen in einen meditativen Zustand der Ruhe, vermutlich ob der stetigen Verantwortung für die Crew – bis ein gellendes Piepsen eben genau diese Ruhe zerreißt und dem in sich Ruhenden einen gehörigen Schuss Adrenalin in die Adern pumpt!

Was war geschehen? Eine Annäherung? Da steuert doch genau ein Schiff auf uns zu! An die Waffen, Verteidigung…

Nun, so schlimm war es nicht! Ein Münchner, der sein Schiff ebenfalls in Evros stationiert hat und den ich aus unserem Skipperforum kenne, hat NESSAJA am AIS (Automatisches Identifizierungssystem) gesehen und gleich mal „vorbeigeschaut“ – Hand zum Gruß, das freut uns!

Wir haben ein bisschen mit der Besatzung der TAYA geplaudert und uns zum Bier in der Marina verabredet – während wir uns entfernten habe ich noch unsere Begegnung am Bildschirm fotografiert.

Schön! Das ungeplante Zusammentreffen mit der TAYA hat den Nachmittag etwas entzerrt und so hatten wir bald die Zufahrt und erste Landmarke von Symi voraus.

Wir mussten zwischen Symi und einer vorgelagerten Insel durchfahren, diese Durchfahrt hatte ich vom letzten Besuch als sehr eng in Erinnerung. Passen wir das mit der breiten NESSAJA überhaupt durch???

Ok, JA, wir passen durch, leicht sogar! Ich musste mir die verwunderten Gesichter der Crew noch lange ansehen. Die Einfahrt war so viel breiter als ich mich erinnert habe – manchmal sind gerade unsere Erinnerungen kein guter Ratgeber.

Von hier aus ging es schnell, wir bereiteten NESSAJA zum Anlegen vor, wollten wegen unserer Kinder, die ja touristisch umsorgt sein wollten, ganz bewusst im Stadthafen festmachen. Wir wussten, die Gefahr des „Ankersalates“ in Symi Ort ist gebannt seit es dort Muringbojen gibt, wir wussten auch, die eigene Muring ist mitzubringen, ein ca.20-30m langes, ausreichend dimensioniertes Tau ist notwendig…

…so kramte ich in den Tiefen meiner Backskisten nach dem Tauwerk welches man sonst nie braucht – und wurde fündig! Wir wussten auch – auf der Südseite, ganz innen, vor dem Cafe mit den blauen Läden sind die lautesten Liegeplätze.

Man half uns Anlegen und Festmachen (20.-€), beschaffte uns Strom (7.-€ / Tag) und kassierte sehr schnell die Hafengebühr (41.- / 2 Nächte) – aber wir hatten einen tollen, zentralen Platz! Auf der Südseite, ganz innen, vor dem Cafe mit den blauen Läden 😉 !

Wir waren glücklich, waren wir doch wieder in der Zivilisation und der Abend versprach ein schöner zu werden. So kultivierten wir uns und zogen los, „auf die Piste“ sozusagen, zumindest auf die touristische!

Franzi & Mikey ließen abermals Google (digital) entscheiden welches Lokal das beste für uns sei. Ich war beruhigt, da meine Recherche (analog) zum gleichen Ergebnis führte – wir hatten somit am Nachmittag schon reserviert und sind schnurstracks zum empfohlenen Lokal gelaufen…

Sowohl Google als auch Manfred (Danke nochmals!) hatten sich nicht getäuscht, wir haben sehr gut diniert. Spät abends sind wir nach einem Ouzo und bei perfekter Stimmung nach Hause geschwankt und haben sehr gut geschlafen!

Was war mit dem Cafe? Das mit den blauen Läden? Das laute??? Nun, das spielte heute Nacht (Freitag) nur eine kleine Rolle. Ouzo und Ohropax verhalfen der gesamten Crew zu einem seeligen Schlaf

Neuer Morgen – neues Glück! Early Bird Day? Ja, fast zumindest, so ganz geht das mit meiner Crew nicht, so habe ich mich morgens zum Cappuccino in ein Cafe am Quai gesetzt und auf mein Schiff geschaut während die Sonne anfing die Bucht von Symi zu erhellen.

Heute galt es die Insel zu entdecken! Dafür sollten zwei Roller gemietet werden. Einer mit 150cc für Sibylle und mich – kein Problem! Einer mit 50cc für Franzi und Mikey weil… Jaaaa, auch weil sie leichter sind – aber vorrangig weil die nötige Lizenz zum Bewegen des KRAFTrades fehlt – auch kein Problem, oder? DOCH, exakt die 50er waren an diesem Tag alle vergriffen, so dass wir auf einen Kleinstwagen ausweichen mussten. Egal, Hauptsache Symi entdecken – los ging es, hinauf in die Berge.

Wir genossen die Fahrt bis hoch zu einer kleinen Taverne, nein nicht Taverne, es war eine „Kantina“, äußerst einfach aber auf Google mit 4,9 bewertet. Dort zuerst ein Foto – ob der herrlichen Aussicht…

…dann hinein um zu reservieren. RESERVIEREN? Bei einer Kantina mitten im Nirgendwo? Ja, zugegeben, bissl deutsch halt, aber kann ja nicht schaden dachten wir. Der Platz für´s Abendessen war gesichert!

Als nächstes stand der Besuch eines alten Kirchleins auf dem Programm. Wieder alle Mann (und Damen) ab in den Miniwagen und abgedüst über die hier verbreiteten, betonierten, einspurigen „Strassen“…

Nach kurzer Fahrt waren wir an besagtem Kirchlein angekommen, falteten uns wieder aus dem Vehikel und starteten unsere Besichtigung. Offen gesagt hat mich diese Kirche nicht so gepackt und ich habe es stattdessen vorgezogen etwas im Schatten zu ruhen…

…die Steinmosaike innerhalb der Kirchenmauern waren aber auch für mich sehr beeindruckend – wie lange so etwas wohl dauert zu verlegen???

Weiter ging es in die Bucht von Panormitis, die „Klosterbucht“ – warum sie so heißt ist nicht schwer zu erraten und war auch schon von weit oben zu erkennen…

…diese rundum geschützte Bucht ist ein sicherer Platz für Yachties, zudem hat die Bäckerei des Klosters einen hervorragenden Ruf. Das wollten wir uns ansehen, vielleicht klappt am Rückweg von Rhodos ja ein Abstecher (ich nehme es vorweg – hat nicht geklappt).

Das Kloster selbst war schön, aber die gesamte Anlage hat mich nicht gepackt – ganz ehrlich. Ich finde den Spot etwas überbewertet, auch die Gastronomie hier. Die Bäckerei war gut, aber was hilft es wenn das drumrum einen etwas abgewirtschafteten und touristischen Eindruck macht. Nichtsdestotrotz, die Mosaike waren auch hier allgegenwärtig und sehr schön anzusehen.

Zurück nach Symi-Stadt ging es abermals über steile, kurvige Bergstrassen welche aber immer einen herrlichen Ausblick auf´s Meer boten.

In Symi angekommen, war es gerade Kaffeezeit, Sibylle und ich sind also in eines der vielen Cafes und haben zwei Cappuccino geschlürft, diese begleitet von einer Eisspezialität – lecker – hatten wir doch in Kos das letzte Eis gegessen, das war immerhin letzten Monat! Allerhöchste Zeit also…

Warum gerade ich so eine Waffel bekomme??? Egal…

Nach dem Eis ein kleiner Marsch durch den Ort, ein bisschen die Angebote der Geschäfte betrachten und einen Blick auf NESSAJA erhaschen…

…schon war es soweit, wir mussten uns fertig machen um noch einmal zur Kantina hochzufahren und unsere Reservierung dort wahrzunehmen. Was uns beim Reservieren gefreut hat – heute war Samstag, es sollte Live-Musik geben. Was uns erwartete wussten wir nicht, allerdings fragten wir uns fortwährend, warum diese – im allerpositivsten Sinn – „Spelunke“ – so gute Google Bewertungen hat.

Oben angekommen, es dämmerte schon, nahmen wir Platz. Wir hatten einen schönen Randtisch am Balkon mit herrlicher Aussicht. Noch war die Kantina nur spärlich gefüllt, wir waren die ersten Gäste.

Wir wussten, dass es an einem Tag mit Live-Musik nur drei Gerichte gab – Lamm Kleftiko, Bifteki und Souvlaki, alles mit Pommes, alles mit griechischem Salat – die Bestellung fiel also leicht, zweimal Souvlaki, zweimal Bifteki, jeweils mit Pommes und Salat – und einmal Lamm für die Mitte…

Seltsames passierte – die Massen, fast nur Einheimische, strömten ins Lokal, es zeigte sich rasch, die Reservierung war bitter nötig, denn bald war das Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt. Ok…

Langsam wurde uns klar warum – wegen Petros!

Petros wollte Pfarrer werden und immer in einer Kirche singen. Er liebt das Singen! Leider hat er die Zulassungsprüfungen nicht geschafft um in den Kirchendienst eintreten zu können, so hat er kurzerhand eine eigene Kirche gebaut in der er jetzt singen kann. Nicht jeder mag den „Ketzer“ mit seinem „privaten Gotteshaus“, aber in touristischen Kreisen und bei den Griechen die etwas liberaler sind, ist er bekannt und beliebt.

Sein Hobby ist das Singen in der Kantina, immer am Samstagabend! Einen Haken hat die Sache – Petros kann nicht singen, gar nicht!!!

Ich habe überhaupt noch nie einen Sänger gehört, der in der Öffentlichkeit so schlecht sang. Aber gerade das machte den Abend aus. Die Gäste haben gejohlt, „Super Petros, ela“ gerufen und Petros war seelig und hat gelacht. Win-win Sitaution…

Die Stimmung kochte, Petros gab alles! Ein zweites Unikum war der Seniorchef des Ladens – keinen Zahn im Mund, kein Wort Englisch, bestimmt 80, aber mit den Damen geflirtet als gäbe es kein Morgen mehr – das auch der Grund warum Franzi auf der Tanzfläche zu sehen ist, sie konnte dem alten Charmeur keine Bitte abschlagen.

Solche Abende kannst Du nicht kaufen, da stolperst Du rein!

Fröhlich gingen wir nach Hause, legten uns in die Kojen und schliefen… NICHT!!! Heute war Samstag – PARTY! Das Cafe mit den blauen Läden hatten wir fast vergessen. Unser zentraler Superplatz entpuppte sich als Jugendtreffpunkt und Moped-Lautstärketestplatz, an Schlaf war bis morgens um 04.00 Uhr nicht zu denken – zumindest für meine Crew. Mir half Bier und Ohropax. Als ich diese Information zum Besten gab wurde dies nicht, wie erwartet, mit Anerkennung quittiert, sondern eher mit abfälligen, gar bösen Blicken…

Zeit abzulegen! Neuer Kurs Rhodos Marina. Hier planten wir vier Tage zu bleiben, hier sollte der Urlaub von Franzi und Mikey ausklingen…

Ich erwartete, laut Wetterbericht, einen NW3-4, ein Wind welcher mich bis nach Rhodos hätte segeln lassen. Der letzte Reisetag für Franzi & Mikey, das wollte ich anbieten. Was ich nicht am Schirm hatte, waren schwere Stürme in der Zentralägäis welche das Meer so wogen ließen, dass die Wasserbewegung bis hier spürbar war. Die Wellen liefen an Rhodos entlang, kamen also aus West und der Wind war schwächer als gedacht.

Das bedeutet unter Motor, mit Welle von hinten, fast fünf Stunden fahren – ein Vergnügen! Wir waren froh, als wir endlich um die Ecke waren, obwohl der Wind auf einmal aufdrehte, was hier nicht unüblich ist, und uns mit 25kn von vorne anblies, na toll! Wir sind in die Marina, haben einen ordentlichen Platz bekommen und waren bald sicher vertäut.

…man beachte unsere Gangway!

Ein paar Worte zur Rhodos Marina. Geplant als großzügiges, fast luxuriöses Projekt nahe der geschichtsträchtigen Altstadt, ist den Planern hier ein grober Fehler unterlaufen – die Marina hat Schwell, aber eben nicht nur Schwell, VIEL Schwell, wenn der Wind aus ungüstiger Richtung, aus den östlichen Quadranten kommt. Auch Abhilfemaßnahmen haben keine Besserung gebracht. Das sprach sich herum, die anfangs selbstbewusst kalkulierten Preise konnten und können nicht erzielt werden und Dauerlieger blieben aufgrund der Gefahr für´s Material aus.

Aus diesem Grund, wurden Baumaßnahmen eingestellt, so dass heute für eine Marina dieser Größe nur zwei Duschen pro Geschlecht zur Verfügung stehen. Zudem, schaut Euch mal das Bild an, sind die Betonquais viel zu hoch für die durchschnittliche Yacht – die Gangway steht sehr steil und bei Schwell weißt Du nicht wie Du raus- und reinkommen sollst.

Genug zur Marina, das war an diesem Abend nicht unser Thema. Wir haben uns auf die Altstadt gefreut und sind gleich los. Das war umso lustiger, als wir hier wieder auf die Crew der ELOWYN trafen und wir zusammen beim Abendessen in „Mama Sofia´s“ waren.

Das Lokal ist touristisch, wird aber sowohl in Google als auch in Sibylle´s Reiseführer gehypt. Wir kannten es schon und konnten die Bewertung bestätigen – und wurden nicht enttäuscht!

Fishermen Spaghetti

Danach sind wir durch die Gassen der Altstadt zurück zur Marina geschlendert. Franziska und Mikey konnten sich einen ersten Eindruck holen und Sibylle und ich haben zufrieden festgestellt, dass auch hier, in den touristischen Hochburgen, die Saison ein langsames Ende findet.

Zufrieden sind wir ins Bett gefallen und haben fest geschlafen. Das war auch nötig, denn bereits am nächsten Tag sollte unser „Discover Rhodes“ Programm beginnen! Ein Leihwagen muss her…

Hier hatten wir auf einmal eine nicht erwartete Problemstellung. Leihwägen waren rar oder teuer. Durch Covid haben viele Anbieter ihren Fuhrpark dezimiert, die geringere Anzahl an Wägen treibt den Preis. Wir hatten insofern Glück, als dass uns ein kleiner Anbieter einen Hyundai Accent („it´s an old car“) anbot – bis zuletzt wurden wir das Gefühl nicht los, dass es sein privates Auto war, dies aber zu einem attraktiven 4-Tages Preis.

Unser erster Weg führte schnurstracks zu „Pommes Bernd“!

Bernd Bergers Pommesbude – eine Institution

Aufmerksame Blogleser erinnern sich – wir haben Bernd auf Leros als Freund von der OREJA VELA Crew, Tanja und Stefan, kennen gelernt. Wir mochten den flippigen Typ sofort und haben unseren Besuch während dieses Törns in Aussicht gestellt. So ein Wort ist Ehrensache – so, here we are!

Die Currywurst, die Wraps, die Pommes – alles ausgezeichnet! Wer also offen für „German Essen“ in Griechenland ist sollte sich eine Stipvisite bei Bernd nicht entgehen lassen…

Uns zog es nach der Stärkung weiter in die Touristenhochburg Lindos – immerhin mit der zweitgrößten Akropolis Griechenlands.

Schöne Buchten ringsum und mitten in den ganzen Tourishops findet man nette Bars, ursprüngliche Cafes und auch wirklich nette Läden für Kunsthandwerk.

Wir erklommen den Berg auf dem die Akropolis steht um dann, vor dem Kassenhäuschen, festzustellen, dass der Eintritt erwähnenswerte 12.-€ pro Person kostet. Das hatten Sibylle und ich so nicht in Erinnerung! Wir beide haben dann auf den nochmaligen Besuch verzichtet, Franzi und Mikey haben sich die Besichtigung des Kulturgutes jedoch gegönnt – wenn man schonmal hier ist…

…und es schien zu gefallen!

Genug für heute! Wir haben in Lindos noch etwas gesnackt, einen frischen Orangensaft getrunken und sind dann zurück zur Rhodos Marina gefahren. Am Weg haben wir eingekauft und dem dortigen „Jumbo“ einen Besuch abgestattet – die Jugend war genauso fasziniert wie wir seinerzeit in Lavrion.

Das Dinner sollte diesmal etwas kleiner ausfallen, zumal wir keine Lust auf griechisches Essen hatten. PIZZA, es sollte mal wieder Pizza geben! Dank Google (wie ging das eigentlich früher?) haben wir die „beste Pizzeria am Platz“ gefunden und wurden abermals nicht enttäuscht!

Die Stimmung war gut, wir waren beschwippst und müde. So haben wir uns auf den relativ langen Heimweg gemacht und sind zurück auf NESSAJA geklettert – in der Hoffnung auf eine weitere ruhige Hafennacht.

Leider Pech gehabt! Auch uns hat es diesmal mit einer der „unruhigen Nächte“ erwischt. Der ohnehin kräftige, vorherrschende Wind hatte in der Nacht eine Ost-Komponente bekommen und für einen derartigen Schwell gesorgt, dass das Schiff immer hin und hergefahren ist. Einen Meter zurück, Stop durch zwei Muringleinen, durch deren Spannung wieder einen Meter vor, zack, Stop durch die Heckleinen!

Ich bin davon aufgewacht und hatte echt Sorge, dass es mir die achterlichen Festmacher zerreißt oder gar die Klampen aus dem Deck gerupft werden. So habe ich morgens um 03.00 meine Winterfestmacher mit den großen Federn belegt. Ich konnte nun unbesorgt sein – aber nicht mehr schlafen…

…da hilft nur ein kräftiges Frühstück!

Savory Pancakes im „Naval“ – dem Marinalokal

Nach dem Ausflug nach Lindos gestern, stand heute die ganz große Inselrunde am Plan, einmal rundum nach dem Routenvorschlag in Sibylles Reiseführer. Natürlich etwas abgewandelt durch die Google Vorschläge von Mikeys Mobiltelefon. Das mochte ich! Andere Blickwinkel und zudem während des ganzen Rhodos Aufenthaltes vom Fahrdienst befreit, sehr komfortabel!

Franzi pilotiert unseren „Hyundai Oldtimer“

Unser erstes Ziel war die antike Stätte von Kamiros, Kultur muss sein! Ohne Ironie, das war wirklich interessant zu sehen, eine sehr gut erhaltene Ausgrabung die ein Bild dieser Zeit vor vielen Jahrhunderten gibt.

Ihr kennt Sibylles typische Handbewegung???

Es war ein zwar windiger, aber dennoch heißer Spätsommertag, Schatten war willkommen…

…zumal dann, wenn schon netterweise so feine Stühlchen aufgestellt werden 😉

Nach diesem ersten Kulturteil sollte ein Ausflug in die Tourismuswelt folgen, der Besuch des „Honigdorfes“ Siana. Ok, kann man machen, besonders dann wenn man sich an den Honigspezialitäten laben möchte und / oder diese als Mitbringsel zu kaufen beabsichtigt…

Special Offer…

…auch wir haben einen Laden gefunden (einen anderen) und Franzi hat kräftig eingekauft. Sibylle hat sich in Zurückhaltung geübt, was ich ganz gut fand. Den obligatorischen Joghurt mit Honig haben wir uns dann, als Begleitung zum Cappuccino, aber doch gegönnt.

Außer einem Dutzend dieser Läden und ein paar touristischen Tavernen hat Siana nicht viel, man kann den Ort (so sagt es auch der Reiseführer recht deutlich) auch auslassen. Einzig sehenswertes Bauwerk des Ortes ist aus meiner Sicht die Kirche…

…die bei genauem Hinsehen aber Details zeigt von denen ich mir bis heute keine Klarheit verschafft habe ob ich das sehr lustig oder eher traurig finde – wer findet den Fehler???

Suchbild

Aus Siana sind wir zwar gestärkt aber auch ernüchtert wieder abgefahren, für Entschädigung sollte unser nächstes Ziel sorgen. Die Festungsruine Monolithos, eine verfallene, ehemalige Johanniterburg in spektakulärer Lage!

Hier kann man die Festungsruine besuchen, den Berg relativ kommod erklimmen und genießt dann herrliche Ausblicke auf Chalki und die kleinen vorgelagerten Inseln, ein beeindruckender Platz!

Wir hatten einen Nachteil unserer 2021er Urlaubsroute, gepaart mit unseren Vorlieben, hinzunehmen. Es gibt im südlichen Dodekanes nicht so viele kleine, liebliche Inseln wie nördlich von Leros. Wir hatten, nachdem wir die Inseln eben auch entdecken wollten, bisher keinen Buchttag und somit, bis auf eine kleine Ausnahme in Symi, keine Gelegenheit mal richtig zu baden – das wollten wir ändern!

Das nächste Ziel war somit der größte Strand von Rhodos, ein anerkannter Surfer- und Kite-Hotspot, dem Prasonisi Beach. Ein „Doppelstrand“, eine Sandzunge zur gleichnamigen Halbinsel.

Da standen wir nun! Hatte ich schon erwähnt, dass es windig war??? Die unbedingte Lust zum Baden wich beim Anblick der durchaus hohen Wellen und der vielen bunten Kites auf der einen, der vielen bunten Segel auf der anderen Seite, einem lala-Gefühl. Sollen wir? Oder lieber nicht? Die Aussicht nach dem Bade zähneklappernd und mit Gänsehaut überzogen im frischen 7 Beaufort Luftstrom zu stehen ließ die Antwort klar werden – NEIN?

So standen wir da noch ein Weilchen und sahen dem bunten Treiben zu um dann, am Wendepunkt unserer Tagesfahrt, die Rückreise anzutreten.

Nächste Station, das Tal der Schmetterlinge! Man wies uns freundlicher Weise darauf hin, dass zu dieser Jahreszeit keine Schmetterlinge zu sehen sind. Man könne ja den Spaziergang durch die Natur genießen. Hier war ich raus – 45 Minuten bergauf um dann den selben Weg wieder runter zu laufen – gar nicht meins! Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und Menschen beobachtet – sehr interessant übrigens – während meine Crew, angeführt durch den Wanderfex Sibylle, den Spaziergang meisterte.

Landschaftlich schön – aber keine Schmetterlinge

Wesentlich interessanter war unsere nächste Station! Eine Abwandlung der Route welche zumindest in unserem Reiseführer nicht zu finden war. Mikey und Franziska stehen auf sogenannte „Lost Places“ und Google half einen solchen auf Rhodos zu finden.

Die „Villa Vecchi“ ist gleich in der Nähe des Hotels im alpenländischen Stil aus 1929, das kannten wir schon. Sie wurde vom selben Architekten geplant und im Auftrag Mussolinis zur selben Zeit erbaut. Der italienische Diktator war jedoch niemals selbst eingezogen.

Bewohnt wurde die Villa von Mussolinis Gouverneur Cesare Maria de Vecchi, der dort „wilde Feiern und Orgien“ veranstaltete während er die Inseln des Dodekanes mit eiserner Hand führte – eine schlimme Zeit, aber ein mystischer Ort den es zu besichtigen lohnt!

Lost Places sind, das liegt in der Natur der Sache, immer auch ein wenig bedrückend, zumald dann wenn sie aus dieser schlimmen Epoche stammen. Es war an der Zeit wieder in das bunte Leben einzutauchen, wir waren ein wenig hungrig, etwas matt und wollten eine Rast. Da traf es sich gut, dass Franzi schon lange ein Auge auf das „Pavo“ geworfen hatte. Google befand das Ziel für gut (4.8) – also, nix wie hin!

Auch hier sollte der virtuelle Quell des Wissens Recht behalten. Ein traumhafter Platz, sehr geschmackvoll, modern, eine gute Karte für Snacks und Sweets, mit beeindruckender Aussicht…

…und mit einer handvoll Pfaue die um die Tische sausen, hat man auch nicht alle Tage!

Hier haben wir gesnackt – Chicken Wraps, sehr gut! – und zum Cappuccino ein kleines Dessert gegessen, auch das sehr gut! Das „Pavo“ ist definitiv eine empfehlenswerte Adresse auf Rhodos.

Ach, weil wir gerade bei empfehlenswerten Adressen sind – zurück in der Marina, es war der letzte Abend für Franzi und Mikey, wurde beschlossen endlich Mikeys Geburtstagsgutschein, natürlich ein feudales Dinner, einzulösen. Doch welche Adresse in Rhodos Stadt wird den Anforderungen gerecht – Geburtstags- und Abschiedsdinner in einem???

Die Antwort – das „Sissitio“!

Hier, so finden wir, hat „die Crowd“ in Google nicht ganz Recht, das Sissitio ist mit 4.5 unterbewertet, zumindest im Vergleich mit anderen. Das könnte vielleicht auch an gehobenen Ansprüchen des Publikums liegen? Wir wissen es nicht, haben jedoch hervorragend gegessen und getrunken, der Service und die Location – 1a! Ein empfehlenswertes, preiswertes, wenn auch etwas teureres Lokal.

Was isst man hier? Wir, besser Mikey, hat sich für… SUSHI entschieden, seht selbst…

Ein letzter Cocktail um den Abend abzurunden, Die Stimmung war perfekt und auch die Altstadt von Rhodos verabschiedete sich von Franzi und Mikey im besten Licht!

Der Tag der Heimreise war gekommen, die Koffer waren gepackt! Sehr perfekt war, dass der Flieger erst abends ging und somit dieser Tag noch für das klassische Sightseeing in Rhodes Old-Town geplant wurde. So gab es ein letztes ausgiebiges Frühstück an Bord…

…bevor wir bei Bullenhitze nochmals den Fußweg in die Altstadt in Kauf nahmen.

Wir hatten uns zunächst getrennt, die Jugend zog schnurstracks los um die Gassen innerhalb der Stadtmauern zu erkunden. Da Sibylle und ich das schon mehrfach gemacht hatten, gingen wir außen herum, warfen einen Blick auf die, wieder präsenten, Kreuzfahrtschiffe…

…und sind dann ebenfalls in das touristische Zentrum eingetaucht. Wir haben die Geschäftsstraßen weitgehend gemieden und uns entlang der kulturell interessanten Wege gehangelt – diese waren erfreulich leer.

Nachdem wir Franzi und Mikey wieder getroffen haben, musste noch Mikeys Hunger gestillt werden. Der Arme, offensichtlich haben ihm die Shoppingstunden richtig Kraft gekostet – ok, wenn ein Crewmitglied Hunger hat steht der Skipper bei. Diese Unsäglichkeit muss bekämpft werden – mit Giros Pita – so hat Mikey es sich gewünscht! Sehr zur Freude des Skippers…

Jetzt aber! Die Uhr tickt, zurück zur Marina, duschen, ein letztes Good Bye und ab zum Flughafen.

Noch am Abend bekommen Sibylle und ich die Nachricht, dass die Beiden gut zuhause angekommen sind – ein Teil der Crew verabschiedet sich mit einem Bild des Rückfluges. Sibylle und ich sind wieder alleine an Bord.

Ein Wetter- und Windfenster muss her! Seit Tagen beobachte ich das Wetter und die Windverhältnisse. Wir sind in den Süden gefahren, müssen wieder nach Norden. Der Wind hier kommt meist aus Nord, schlechte Karten also.

Warten auf Süd? Nein, zu lang, zu teuer! Noch woanders hin, Kreta, Karpathos? Nein, zu aufwendig und noch weiter südlich! Was dann? Erstmal heim, nach Leros? Ja, das machen wir!

Sibylle wollte hochtingeln, mehrere Etappen und die Zeit auf dem Wasser genießen. Da spricht nichts dagegen, aber leider haben wir bereits zwei Tage des Wetterfensters vergehen lassen müssen während derer der Nordwind etwas Pause machte. Laut Wetterbericht haben wir nur noch zwei weitere Tage um unter Motor Höhe zu machen, nach Norden zu fahren, bevor der Wind, in Sturmstärke, zurück kommt.

Hier entscheidet der Skipper, hier geht Sicherheit vor – wir fahren früh los und so viel wie wir auf einmal schaffen – die Route war klar.

Rhodos Marina – Kalymnos Palionissos

Offen gesagt, ich hatte im Hinterkopf bis Leros durchzufahren. Wenn wir um 07.00 die Rhodos Marina verlassen würden, wären wir wohl Mitternacht in Lakki vor Anker. Wir kennen die Bucht, eine sichere Planung.

Sibylle wollte lieber nur bis Nisyros oder eben maximal bis Kos. Aber ich habe das nicht als glückliche Alternativen erachtet, zumal die Kos Marina sicher voll war, es war Samstag.

Nun sind wir also los, waren abermals, ohne jegliche Probleme, recht lang in den Hoheitsgewässern der Türkei unterwegs, haben Meilen gemacht, bis wir die Gewässer der Türkei (zwischen Punkt 4 und 5) verlassen haben.

Die Fahrt verlief, wie geplant, problemfrei und wir konnten das Dahintuckern durchaus genießen – obwohl es sich schon hingezogen hat wie Kaugummi.

Wir hatten gerade die Kos Marina passiert und sprichwörtlich „links liegen lassen“, da setzte die Sonne zum Untergang an. Es war an der Zeit, bereits mit anliegendem Kurs Kalymnos, das leidige Thema Fahrtziel noch einmal herauszukramen…

…und wir fanden einen guten Kompromiss. Das neue Ziel sollte die Bucht Palionissos an der Ostküste der Nachbarinsel Kalymnos sein. Hier gibt es Bojen, hier waren wir bereits im Juni mit Gitti, die Ansteuerung ist uns also bekannt. Hier wären wir nah genug an Leros um unter (fast) allen Bedingungen in den Heimathafen fahren zu können, hier sind wir aber auch noch einmal in einer Bucht um das Bootsleben abschließend genießen zu können – gesagt, getan!

Auf dem Weg dorthin, es waren ca. 18nm, rund drei Stunden Fahrzeit, macht die türkische Grenze nochmals einen Knick. Ich wollte diesen umschiffen um bei Dunkelheit nicht in TR Hoheitsgewässern zu fahren. Sibylle meinte, ich hätte Paranoia, gab sich aber geschlagen.

Um 20.15, es war stockdunkel, traf mich fast der Schlag! Helles Licht am Wasser, im Rigg, voraus, von hinten kommend! Kennt Ihr das wenn das Adrenalin einschießt, es so im Bauch kribbelt? Hatte ich einen Tanker übersehen der uns jetzt von hinten überläuft?

Nichts dergleichen! Ein komplett schwarzes RIB Schlauchboot der griechischen Küstenwache kam unbeleuchtet von achtern auf, wir hatten NICHTS bemerkt, und nahm uns ins Scheinwerfer-Visier. Uns Beiden fiel, als wir erkannt hatten in welcher Situation wir uns befinden, nichts besseres ein als – zu WINKEN! Wahrscheinlich hat das die Beamten gefreut und sie haben einmal kurz das Blaulich blinken lassen, gewendet, die Positionslichter ausgeschaltet und sind in der Nacht verschwunden wie sie aufgetaucht waren.

Das will ich mit den Türken nicht haben, die Entscheidung nachts außenrum zu fahren war in diesen prekären Gewässern richtig!

Der nächste Morgen hat uns entlohnt!!!

Ich bin in Facebook mit der „Taverna Ilias“ in Kontakt. Konnte also klären, dass Bojen für die Nachtansteuerung frei waren und, viel wichtiger, wir um 22.00 noch etwas zu essen bekämen. Das hat alles super geklappt und wir haben herrlich geschlafen. Am Morgen hat uns die Bucht einladend begrüßt und ich war nochmals baden, wunderbar.

Derart ermutigt, haben wir kurzerhand beschlossen einen weiteren Tag anzuhängen. Wir würden nicht direkt nach Leros / Lakki fahren sondern einmal um Leros herum und dabei vor Archangelos beim „Stigma“ halt machen.

Wir tuckerten bis in die Enge zwischen Leros und Archangelos und machten gerade zum Anlegen an der Boje fertig als plötzlich der Motor anfing seine Drehzahl leicht abzusenken…

Nanu, erste Hilfe, rasch bevor er ausgeht! Tankdeckel auf falls die Belüftung verstopft sein sollte. Meinen Mini-Filter, der als Schauglas gegen Dieselpest dient, rasch ausgetauscht – das geht unter der Fahrt, man muss nicht entlüften – beides bringt keine Abhilfe. Ein Blick auf die Tankuhr…

…hm, sollte??? Nein, oder doch? Das Alles passierte in zwei, drei Minuten – ich entscheide also 10 Liter Diesel nachzufüllen, während wir die Boje ansteuern, und siehe da, der Jockel lief wieder einwandfrei.

Ich rechne seit 2014 alle Spritverbräuche auf unseren Fahrten nach und komme fast IMMER genau hin, ein paar Liter hin oder her. Heute schienen mir rund 60 Liter zu fehlen. Die Ursache hierfür muss ich suchen und finden – um es vorweg zu nehmen, das habe ich bis heute nicht in Angriff genommen – ich berichte darüber im Novemberrückblick. Für diese Fahrt hatten wir genug Diesel dabei (30 Liter) und können auch morgen unbesorgt nach Leros zurück.

Doch zunächst Archangelos! Wie immer lud das Meer zum Bade, diesem Ruf folgten wir an diesem Nachmittag mehrfach, es war nochmals ein richtiger Sommertag.

Den Oktober spürt man aber gewaltig, es wird inzwischen sehr zeitig dunkel und so setzten wir schon kurz vor 19.00 über ins „Stigma“ zum Dinner. Wir saßen auf „unserem“ Stammplatz und hatten wieder den Blick auf die Bucht, es war natürlich deutlich weniger los als im Sommer.

Dimitras Eltern waren so freundlich mir mein Lieblingsgericht zu zaubern, obwohl es nicht auf der Karte stand – Octopus Tigania! Tigani heißt Bratpfanne, das Gericht ist also simpler gebratener Octopus mit etwas Samoswein und Chili, ein absoluter Traum, einfach und lecker!

Am nächsten Morgen, wir haben super und auch recht lang geschlafen, waren wir alleine in der Bucht, das hatten wir auch noch nie…

…wir gingen noch einmal baden, haben gefrühstückt und sind dann nach Leros gefahren. Gegen Mittag lag NESSAJA sicher an ihrem Stammplatz D1 in der Leros Marina Evros.

„Wie hast Du den Platz bekommen…“ – noch nicht lange angelegt wurde ich gleich über die Schulter angsprochen. „Ich wollte den auch, habe ihn aber nicht bekommen…“ – ah ja, ich erwiderte sicherheitshalber, dass ich das nicht wüsste, Zufall wohl. Mein Telefonat mit dem Marinero unterschlug ich sicherheitshalber um keine Wellen zu machen – ich mag „meinen“ Platz 😉 , wir wohnen hier!

Es dauerte nicht lange bis der kräftige Wind kam – wir hatten alles richtig gemacht und unseren Törn bis zur letzten Minute ausgenutzt!

Der Wind hinterlässt seine Spuren, nicht nur an der Gastlandflagge! Auch an unseren Nerven zehrt er – im Jahr 2021, unserer ersten vollen Saison auf NESSAJA war der Starkwind allgegenwärtig, oft stärker als gewohnt, häufiger und vor allem länger anhaltend.

Inzwischen ziehen auch immer öfter Wolken auf, es war klar, der Sommer ist vorbei, es wird Herbst auf der Insel.

Der Herbst ist hier anders als in Deutschland – es ist generell schönes Wetter, auch noch warm, wir konnten jeden Tag in Panteli baden. Aber die Beständigkeit verschwindet. Hatten wir im Sommer monatelang keine Wolke gesehen, gab es jetzt auch kurze aber heftige Regenschauer…

…so dass es mir besser schien eine „Garage“ für das Motorrad zu finden.

Der Wind beeinflusst die gefühlte Temperatur beträchtlich und so sehr man ihn im Sommer gebraucht hat um nicht in der Sonne zu zergehen, so sehr wünscht man sich jetzt, dass er weg sein möge um die Sonnenstunden unbeschwert genießen zu können.

Leider tut er diesen Gefallen nicht…

…immer häufiger haben wir Starkwind auch in der Marina, an diesem Tag Beaufort 7, an solchen Tagen gehen wir nun auch nicht mehr baden, es ist einfach zu frisch wenn Du aus dem Wasser kommst.

An anderen Tagen ist noch richtig Sommer. Inzwischen war auch die Crew der ELOWYN in Leros angekommen um das Schiff hier ins Winterlager zu bringen und entsprechend vorzubereiten. Wir waren zusammen schwimmen und haben genau diese letzten „echten“ Sommertage richtig genossen.

Zum Vergleich hierzu ein Bild welches wir von unserer Schwiegertochter aus Miesbach bekommen haben – gleiche Zeit, Mitte Oktober…

…da weißt Du gleich wieder warum Du das gemacht hast – ich gelobe, ich will mich nicht mehr über den „Herbst auf der Insel“ beschweren!

Social Life – während dieser Zeit ändert sich alles. Freunde verabschieden sich täglich, machen ihre Schiffe nach und nach winterfest und besteigen Flieger oder Fähren die sie nach Hause in die Heimat bringen. Es sind inzwischen deutlich weniger Menschen im Hafen. Aber auch neue Freunde gewinnt man in diesen Tagen – so zum Beispiel Brigitte und Erwin aus Gmunden am Traunsee in Österreich.

Sie sind zusammen mit der ELOWYN hier eingetroffen und haben die Leros Marina Evros als Winterquartier für ihre QUO VADIS gewählt. Wir haben einige Zeit miteinander verbracht und waren oftmals zusammen beim Speisen…

Die Capetañas auf der Damenseite
Die Skipper auf der Herrenbank

Apropos Speisen – wir dachten ja irgendwie das meiste auf Leros zu kennen, die wichtigen Adressen zumindest – aber weit gefehlt, es kam eine neue dazu.

Für erstklassiges Essen, hier für Fleischgerichte, empfiehlt sich die „Persiana Churrasceria“ in Alinda. Hier sind wir eingekehrt weil wir in nettem Ambiente drinnen sitzen wollten (nur mit Impfung) und weil wir ein Steak wollten.

Das haben wir bekommen – und wie…

Tomahawk vom Feinsten
1,2kg für zwei

Abermals hatten wir Glück und es spielte an diesem Abend ein Live-Musiker. Chris(tos) macht Cover Songs alter Gitarren Gassenhauer – was zunächst ein bisschen abgedroschen klingt war aber echt gut und hat die Anwesenden mitgerissen – ein echt gelungener Abend, nicht der letzte in der „Persiana Churrasceria“!

You can leave your hat on…

Die im Verlauf des Abends durchgeführte „Impfrazzia“ empfanden wir nicht als störend, im Gegenteil, es bestärkte uns in dem Glauben, dass Griechenland seine Inseln für den Winter 2021 / 2022 schützen will.

Der Rest ist schnell erzählt – tagsüber vertrieben wir uns die Zeit mit Arbeiten an den Booten, hier vorrangig an der ELOWYN, z.B. beim Abschlagen der riesigen Segel…

Geschafft!

…nachmittags mit baden oder, wenn es zu windig war, mit dem langeplanten Besuch des hiesigen Kriegsmuseums.

Im Fadenkreuz
Bedrückende Geschichte
Grausiges Sammelsurium

Ich hatte Zeit mich mit wirklichen „nice to have“ Jobs zu beschäftigen, so zum Beispiel mit einem Schlüsselanhänger fürs Motorrad welcher meine Hosentasche nicht ausbeult oder kaputt macht. Da es von der Stange nichts passendes gab, wurde kurzerhand Manolis angesprochen ob er zum Armband nicht auch einen Schlüsselanhänger fertigen könne – er kann!!!

Der Abschied der ELOWYN Crew nahte, wir haben ein letztes Dinner mit Volker und Tina geplant, es war klar, dass uns dieser Weg in „Mylos“ führen würde. Es war eine Vollmondnacht, selbiger ging über dem Kastell von Leros auf, während wir unseren Wein in diesem erstklassigen Fischlokal genossen…

Kitschiger geht´s fast nimmer…

Unser Seafood war wieder sensationell, die Speisenfolge weitgehend die gleiche wie immer, daher nur ein kleiner Auszug…

Austern und Salat mit Octopus
Tiramisu – mehr als originell
Strawberry Pannacotta – ein Gedicht

Ein letzter Absacker führte uns in die Zweigstelle des „Persiana“, die Bar & Grill Filiale welche auch mit vielen Biersorten wirbt – ein echtes Pint of Guinness machte uns bettschwer, am nächsten Morgen reiste die ELOWYN Crew ab.

Cheers, das Guinness schmeckte

Der Spätsommer ist schön, die Luft ist kühl, feucht, Pflanzen kommen hervor, die Insel verändert ihr Gesicht. Die Luft ist gleichzeitig auch klar und sauber, die Sonnenuntergänge sehen anders aus als im Sommer – es entsteht eine spezielle Stimmung.

Für uns kehrt der Alltag zurück, sowohl beim Essen…

…Sibylle kocht wieder, abends muss drinnen gegessen werden!

Als auch beim Abendprogramm! Es wird zeitig dunkel, wir sehen ab und an wieder Videos oder holen auf YouTube nach was wir im Sommer versäumt haben. Wir wollen ja schließlich wissen wie es bei anderen denen wir folgen, gelaufen ist.

Weil wir Tobi und Franzi von der ZORA in Poros getroffen haben, fangen wir mit den Beiden an.

YouTube – „Wir Segeln“

Wie sieht es mit den Projekten aus? Erfreulich gut! Ich habe mich im Oktober projektfrei gehalten um meine Freude am Basteln für den November zu schonen. Ich musste einzig und allein meine Gangway auswechseln.

Die GS-Optima, für die ich jahrelang die Fahne hochgehalten habe weil sie leicht ist und dies mit hoher Tragkraft paart, musste einer massiveren Prasolux V4A Gangway weichen.

Warum? Nun, mehrere Gründe – war GS sehr freundlich und großzügig in der Reklamationsabwicklung meiner alten, ersten Optima – ich hatte zwei neue Hälften erhalten – konnte ich feststellen, dass kurz nach der Erneuerung im Frühjahr 2021 die gleichen Fehler auftraten.

Die Gangway bog sich durch, eine Hälfte mehr als die andere, zudem ging der Spalt, die Verklebung, nach kurzem Salzwasserkontakt wieder auf.

Es traten wieder Risse und Brüche an der gleichen Stelle auf, diesmal war ich nicht bereit das über Monate und Jahre anzusehen. Fazit, die Verklebung der Ober- und Unterteile scheint nicht seewasserfest und die zulässige Tragkraft von 150kg scheint mehr als optimistisch kalkuliert.

Ich versichere, ich bin deutlich darunter und niemals beladen über die Gangway gegangen, ich habe immer Umsicht walten lassen. Ich bin sicher, dass die tatsächliche Tragkraft, dauerhaft, deutlich unter den zugesagten 150kg liegt. Das sollte durch die Prasolux jetzt erledigt sein – hier vielen Dank nochmals an Robi von der MAXI, mein Nachbar hat mir das gute Stück gebraucht und kostenfrei überlassen.

So ist er, der „Herbst auf der Insel“! Wir haben beschlossen zunächst nicht mehr auszulaufen. NESSAJAs Papiere sind inzwischen bei der Port Police, so sind wir nicht mehr verpflichtet TEPAI zu bezahlen.

Ab und an kochen wir uns in unserer Kombüse herrliche Gerichte, werden auch bald wieder unseren Cobb Grill auspacken und uns im „goldenen Herbst“ leckere Sachen zaubern…

…wir genießen die inzwischen seltenen Abende an denen man noch draußen essen kann, haben wir doch die letzten Wochen sehr wenig an Bord gegessen, schade eigentlich – das werden wir 2022 ändern!

Andermal bleibt die Küche kalt und der Smutje hat frei, dann gehen wir budgetschonend ins „Souvlakki“ und essen Giros Pita mit Pommes und Salat. Da haben wir für 20.- richtig gut gegessen, das ist oft günstiger als Einkaufen und unterstützt die hiesigen Tavernen, zudem nehmen wir am Social Life der Locals teil, das funktioniert ganz gut…

Kleiner Spaß zum Schluss – wir waren vorgestern, am 26.10.2021 in Lakki beim Cappuccino trinken. Wir, Sibylle und Mario, die es befremdlich finden, wenn es in Deutschland Anfang Oktober Lebkuchen gibt (auch bei uns an Bord – Danke Franzi!). Was sehen wir, die Dame im Cafe trägt so ein aufsteckbares Rentiergeweih (kein Foto) und schmückt weihnachtlich…

DAS finde ich geil, ein echtes Statement! Auf meine Frage hin warum sie das JETZT macht und HIER war ihre lapidare Antwort „…I like Christmas, but here we don´t have snow, we don´t have winter, for what should I wait? I start now, so Christmas Time is longer!“ Ok, so gesehen genau richtig…

Das war der Oktober, Ihr habt wieder ein Bild von unserem Alltag. Noch kurz bevor Ihr den Bericht lesen konntet sah es bei mir so aus…

…der Salon wird zum Büro und ich tippe meine Gedanken in den Blog um das Erlebte mit Euch zu teilen.

Das habe ich auch diesen Monat wieder ein paar Tage früher gemacht weil wir Pläne haben…

Heute ist Feiertag, Oxi-Tag, der Tag an dem die Greichen „Nein“ zum Faschismus gesagt haben. Hier ist richtig was los, wir stürzen uns ins Getümmel. Mittags sind wir bei „Dimitris o Karaflas“ – in seiner Taverne gibt es heute Lunch mit Live-Musik. Während ich das schreibe packt Sibylle gerade unsere Motorradtasche – wir werden heute Abend auf die Fähre nach Piräus gehen und morgen weiter nach Heraklion / Kreta fahren.

Dort bleiben wir um zwei befreundete Paare zu besuchen, die völlig unabhängig voneinander und ohne sich zu kennen, im gleichen Ort Immobilien angeschafft haben. Beide sind vor Ort, eine gute Gelegenheit beide zu treffen. Wir planen bis 09.11. zu bleiben und uns Kreta auch einmal zu dieser Zeit anzusehen.

Mehr dazu im Bericht des Monats November, bis dahin grüßen wir herzlich aus Leros und wünschen Euch eine gute Zeit

Die NESSAJA Crew

„Herbst auf der Insel“ (Text: Steinbäcker / Quelle: Internet)

September 2021 – What a Lucky Man You Are

Den Monat September leite ich in der Headline mit einem Songtitel von Reinhard Mey ein – „What a Lucky Man You Are“ ist ein Song des Albums „Einhandsegler“ dessen Titel deutlich näher am Blogthema liegt als der Song selbst, oder??? Ich finde, dass es ein sehr schöner Text ist, ein Eye-Opener, der aufzeigt, dass der Mensch im Alltag manchmal nicht erkennt welch Glück er eigentlich hat.

Der Monat September war ein Familienmonat, der Monat in dem wir die Heimat nach einem halben Jahr Abwesenheit wieder einmal besucht haben, die Freunde getroffen haben und unsere Kinder sehen konnten…

Der Monatsbericht September teilt sich auf in zwei wesentliche Teile – zum Ersten in den des Heimatbesuches und meiner Rückfahrt mit dem Motorrad, zum Zweiten der erste Teil des Abschlusstörns 2021 von NESSAJA. Nehmt Euch Zeit, lasst Euch packen – ich habe diesmal sehr viele Bilder im Bericht.

Ich habe bewusst den ersten Teil des momentanen Törns, ich sitze gerade bei Sturm auf Nisyros, in diesen Monat gepackt – am Ende bleibt „sailingmoments“ ein Segelblog!

Leider nicht ganz scharf – zuviel Bier???

Es ist die Nacht vom 01.09. auf den 02.09. – die Fähre wird um 01.10 Uhr in Leros ablegen. Ich habe diese Verbindung gewählt, weil der Anschluss zur Fähre nach Italien nicht schlecht ist. So beiße ich in den sauren Apfel und setze mich nach dem Abschiedsdinner mit der Crew der JASPER im „Aloni“ noch zu Popi ins „Morano Cafe“. Dort hat man bis 0.30 offen und als ich merke, dass es Zeit ist zu gehen – ich war der letzte Gast – fuhren auch schon die Ladetrucks Richtung Hafen. Die Fähre würde bald kommen.

Leros – Piräus mit BlueStar

Die Fähre war pünktlich, wurde rasch verladen und auch ich durfte meinen treuen Minibus bald einparken, er fand ein sicheres und leicht rangierbares Plätzchen.

…am Ende war hier natürlich alles voll!

Ich hatte für die neunstündige Überfahrt eine Deckspassage gebucht und hastete deshalb nach oben auf Deck wo ich versuchte rasch einen idealen Sitzplatz zu finden. Ich war ausgestattet mit Kissen, Decke und Oropax, so konnte ich zumindest etwas schlummern.

Eckplatz & Comfort Seat – trotzdem, bequem ist anders!

Am Vormittag des Folgetages am griechischen Festland angekommen spuckte mich der schwimmende Riese mitsamt meinem italienischen Vehikel an Land…

…ich klemmte mich in Piräus sofort auf die Autobahn um das Hafenviertel der pulsierenden und nervigen Stadt schnellstmöglich zu verlassen. Ich fuhr Richtung Patras und hatte vor, irgendwo am Strand eine gehörige Rast einzulegen. Ich wollte etwas essen, ein wenig rasten und vielleicht zum Frischmachen ein bisschen schwimmen – gedacht, getan!

Nicht weit von der Autobahn – ein Cafe direkt am Strand

Ich fand in der Nähe von Megara genau was ich suchte – ein schönes Strandcafe welche mir alle Optionen bot und zugleich nicht zu busy war, perfekt!!!

Mein Frühstück, nein, Brunch – wohlverdient!

Ich habe mir zum Brunch ein Club-Sandwich gegönnt, dazu einen Freddo Espresso. Ich verbrachte hier eine recht lange Zeit, konnte im Meer baden und ein neues Buch lesen. Nach Erdmann (siehe August Bericht) war jetzt Schenk an der Reihe, selten hatte ich soviel Ruhe zum Lesen wie diese Tage.

Nach ein paar Stunden setzte ich „just in time“ meine Fahrt nach Patras fort, um dort im Hafen für die Überfahrt nach Italien einzuchecken. Als das erledigt war, ging ich zum Abendessen in das gleiche Lokal wie bei meiner letzten Dienstreise – ich habe mich gut erinnert – es sollte so etwas wie mein Stammlokal werden, warum, dazu später mehr…

Hier spricht man wenig Englisch, aber ich war bereit mich auf Überraschungen einzulassen als man mir „Meat“ anbot – und wurde nicht enttäuscht!

Mein Menü, zusammen für rund 20.-€

Derartig gestärkt war ich bereit, mich in die Schlange für den Fährtransport einzureihen…

Position 4 – nicht lange zu Warten

Das Ziel war diesmal ein anderes, es sollte zum ersten Mal nach Venedig gehen – ich wollte die lange (33h) Überfahrt ausprobieren, zu Gunsten der kürzeren Autofahrt, zumal ich ja alleine unterwegs war.

…so stand es geschrieben!

Ich war bei den Minibussen an erster Position, das hat nichts mit Drängeln zu tun, ist aber von Vorteil wenn man keine Kabine gebucht hat. Für die Schlafmöglichkeiten an Deck gilt ganz klar – die besten Plätze gehen an die Ersten!

Der Italiener in der Pole-Position

Ich war für die ASTERION II gebucht und hatte bei der Anfrage keine Kabine mehr bekommen. Ausgebucht!!! Meine Hoffnung war, über eine Warteliste noch ein Schlafgemach zu bekommen, ich war mit meiner Ausrüstung aber für die Deckspassage vorbereitet – in diesem Fall ZWEI Nächte!

Ich kannte das Schiff nicht, es sollte sich aber als eine gute Option herausstellen. Alles an Bord war sauber und funktionell, eine Kreuzfahrt ist es eben nicht…

Ich stürmte aus der Garage nach oben zur Rezeption, sollte ich wegen der Kabine fragen? Ach, nur kurz noch einen Stock nach oben sehen…

Ich fand zufällig in eine Lounge Area welche wohl einmal als Party oder Disco Bereich gebaut wurde. Getanzt wurde hier wohl länger nicht mehr, aber eben ein Bereich mit gemütlichen Möbeln, wenig Fenstern und… nahezu leer! Ich riskierte es – ich wollte das Geld sparen und habe auf die Kabine verzichtet und mir hier ein Nachtlager eingerichtet – ich nehme es vorweg, ich habe zwei Nächte super geschlafen und tagsüber immer einen Platz zum Zurückziehen gehabt – perfekt, das merke ich mir!

Meine Kuschelecke

Die Fahrt ging relativ pünktlich los und die Fähre fuhr in die Nacht hinaus, es wurde nach einem Zwischenstopp in Igoumenitsa Kurs Venedig angelegt.

Der nächste Tag war, zugegeben, recht langatmig! Wir fuhren über die offene See, ein Anblick den ich mag, aber von so einem großen Schiff nur begrenzt lang genießen kann…

Ein bisschen was zu lesen hatte ich noch, aber irgendwann war auch Bobby Schenks Lebensgeschichte aufgesogen – was tun?

Nun, mit etwas Geduld rettet man sich zum Sonnenuntergang der, ohne Land im Hintergrund, immer ein besonderes Spektakel darstellt – und somit auch gut für etwas Zeitvertreib ist!

Glück ist, dass Reisen ermüdet. Nach dem Dinner also auf die Couch und irgendwie gut geschlafen. So folgte dem soeben noch erlebten Sonnenuntergang auf hoher See, ein ebenso schöner Sonnenaufgang kurz vor Venedig.

Die Fahrt in und durch die Lagunenlandschaft war wunderschön, der riesige Pott glitt langsam und ganz nahe der Flachwasserzone durch die Fahrrinne.

„Fahrer bitte zu den Autos kommen, es wird bald entladen“ – ich eile zu meinem Wagen und stelle fest – hier komme ich nicht raus, zumindest nicht so schnell…

Suche den Scudo

Es folgten zwei Stunden welche mich Nerven kosteten und von denen ich keine Fotos habe – daher kurz zusammengefasst…

Der Fahrer des roten Ford kam in aller Ruhe 45 Minuten nach dem Ausruf, das Deck war fast leer, ich war, ehrlich gesagt etwas sauer – mein Plan den Gardasee vor den Urlaubern zu passieren schien gefährdet.

Ich hatte, kaum die Fähre verlassen, mein Impfzertifikat vorzuzeigen – in Griechenland erstellt und anerkannt, später in Deutschland und Österreich ohne Probleme – aber hier beim Eintritt in Italien war mein Nachweis beim Scannen „not valid“ – das sollte später noch eine Rolle spielen, ich wurde hier aber entnervt durchgewunken – manchmal brauchst halt Glück.

Zu guter Letzt wurde ich am Zoll noch komplett auseinandergenommen, nebst Spürhundeinsatz und dem Röntgen meines Autos – mir war mulmig, aber gefunden haben sie nix.

Also auf die Autobahn Richtung Brenner und schon in Verona wurde vermeldet – „90km Stau bis Trento“ – na toll!

Ich mache es kurz, ich bin gerade so durchgeschlüpft, habe statt der kalkulierten 6h rund 8h gebraucht und war gerade noch rechtzeitig zu Kaffee & Kuchen in der ehemaligen Heimat!

Das erste und wichtigste Tun war, neben duschen, den neuen Erdenbürger, unser viertes Enkelchen Benno kennen zu lernen. Der Kleine hat am 25.08. das Licht der Welt erblickt und ich habe mich darauf gefreut ihn in den Arm nehmen zu können.

Welcome

Der Rest des Ankunftstages war „Erholung“ – an Tag zwei ging es aber schon los. Zuerst gemütlich, mit einem feudalen Frühstück beim „Dinzler“ zu dem mich meine liebe Gattin aus lauter Wiedersehensfreude eingeladen hat…

Draußen – mit BERGblick
Gefrühstückt wie lange nicht mehr!
Ein Traum

…dann aber war deutlich Druck zu spüren. Hatten wir doch beschlossen den praktischen Minibus zu behalten, so musste der Logik folgend, der für Griechenland angeschaffte Volkswagen wieder veräußert werden – also eine Annonce verfasst und den Wagen in „mobile.de“ angeboten.

Baujahr 2009, 223tkm, 2.Hd, TÜV neu – zum schnellen Verkauf ein paar hundert Euro unter dem üblichen Marktpreis – Ihr ahnt nicht was an dem Abend los war!!!

Das Bild zeigt die Anrufe und Sprachnachrichten etwa eine Stunde nachdem ich auf „Online stellen“ geklickt hatte an – der Wahnsinn! Über WhatsApp bekam ich nochmals gleich viele Anfragen. Kurz gefasst – ich habe den Wagen noch am selben Abend an den ersten seriösen und entscheidungsfreudigen Interessenten verkauft – was mir auch Beschimpfungen von enttäuschten Zweitplatzierten einbrachte und mich in dem Glauben bestärkte den richtigen Käufer gefunden zu haben – Adieu mein lieber Golf, es hätte was werden können mit uns Beiden 😉

Da war doch noch was???

Ach ja, das Motorrad! Sohn Stefan war inzwischen zu Besuch in unserem ehemaligen Haus welches inzwischen dem Ältesten gehört und hat mir das neu erworbene Bike gebracht – nicht ohne es vorher getestet zu haben. Natürlich musste auch ich mich auf die Überführungsfahrt vorbereiten, checken was ich noch kann und vor Allem was NICHT, und dabei gleich feststellen inwieweit die Kleidung ausreichend ist. Ein adäquater Helm musste auf Wunsch der treusorgenden Gattin bereits vor der Testrunde gekauft werden.

So bin ich eine Morgens, als Sibylle einen Arzttermin zu erledigen hatte, auf das Bike und habe eine „große Runde“ im oberbayrischen, heimatlichen Voralpenland geplant. Dabei fiel mir auf, dass meine letzte „echte“ Biketour bestimmt schon mehr als 25 Jahre zurück liegt.

Egal! Die Wahl fiel auf den Klassiker – zuerst nach Holzkirchen um bei der Bäckerei „Kuhn“ zu frühstücken…

…danach über Bad Aibling, Bad Feilnbach und Brannenburg schnurstracks zum Tazlwurm der direkt nach Bayrischzell führt.

Kurze Hose? Ja schon, ich musste abwägen was ich neu kaufen wollte – immerhin nur für eine Fahrt – und was verzichtbar erschien. Die kurze Buxe musste aufgrund der morgendlichen Temperaturen weichen, auch ein Windbreaker wurde angeschafft – das war ausreichend für die Tour und hat sich bewährt. In Griechenland fährt man in Shorts und T-Shirts, ich weiß, nicht wirklich safety-konform, aber eben bei 35°C Usus.

Es war eine wunderschöne Tour und ich fühlte mich gewappnet für die Überführung des Bikes nach Leros!

Leider war das Wetter nicht immer auf unserer Seite und ich musste zum ersten Mal nach langen Wochen wieder Regen erleben…

Ein weiteres „To-Do“ auf meiner langen Liste für den Heimataufenthalt war das porentiefe Reinigen des verschmutzten und verstaubten Italieners. Er hatte sich die Oberwäsche redlich verdient und erstrahlte danach in neuem Glanze. So steht er jetzt fertig für die neue Beladung in Miesbach und wird Anfang 2022 wohl wieder auf Strecke gehen müssen.

Das alles hört sich stressig an, war es teilweise auch, es gab halt viel zu erledigen. Dabei waren wir aber immer darauf bedacht die Freude und die Freunde nicht zu kurz kommen zu lassen.

So waren wir mehrfach am „Seegartl“ um dort mit den Freunden zu schnabulieren – Weißwurschtfrühstück – nach Monaten der Abstinenz ein Gedicht!

Ein Andermal haben wir uns mit den Kindern verabredet um zusammen zu sitzen und zu klönschnacken und den Geschichten des letzten halben Jahres zu lauschen. Die Locations waren immer gut gewählt, mal im Privaten, mal in einem Biergarten bei guter bayrischer Küche.

Schweinsi mit Krusterl, ein Gaumenschmaus!

Letztlich war unser Kalender gespickt mit Besuchsterminen – wir haben nahezu alle Freunde, die Miesbacher und Schlierseer und auch die „von außerhalb“ getroffen. Der letzte Termin war ein Burgergrillen in Aufkirchen – ein lang geplanter Fixpunkt in unserem Kalender – der Termin dem die Abreise folgen sollte…

…wir hatten nochmal so richtig Spaß zusammen und letztlich auch Gelegenheit mit Franzi und Mikey den bald folgenden Urlaubstörn zu besprechen.

Der Tag verging wie im Flug, es war Zeit für mich wieder Abschied zu nehmen. Schon am Abend dieses Tages traf ich im „Haus Seegarten“ Jens und Marcel, die sich kurzentschlossen breit erklärt hatten mich auf den Motorrädern bis Venedig zu begleiten.

Im „Schnapperwirt“ zu Fischhausen wurde bei einem zünftigen Weißbier die Route der folgenden Tage besprochen und eine Art Zeitplan aufgestellt – Abfahrt morgen früh um 09.00 Uhr!

Die Uhr tickte – Sibylle war einen Monat bei der Familie des Sohnes um etwas Unterstützung anzubieten und sich nach der Geburt des Jünsten einzubringen. Ich hatte nur rund 10 Tage. Das war einerseits genug, andererseits hat es nicht mehr zum Legospielen mit Enkelchen Otto gereicht – das werde ich nachholen müssen, hier stehe ich im Wort! Nächstes Mal bleibe auch ich ein paar Tage länger.

Wir haben uns vor dem Kindergarten nochmals fest gedrückt, nach dem Frühstück mit Sibylle ging es für mich los – fast ein kleines Abenteuer…

Gut bepackt – kurz vor der Abfahrt
Fertig – es kann losgehen!

Ich fuhr also morgens alleine nach Schliersee / Fischhausen um die beiden Freunde und Begleiter dort abzuholen – ich wurde bereits erwartet und nach einer kurzen Verabschiedung von René und Rita ging es schon los…

…nach Thiersee – weil der Sprit dort fast 30 Cent billiger ist! Irgendwo muss man ja sparen! Hier wurden die Bikes bis zur Tankkante druckbetankt und der Zähler auf Null gesetzt.

Jetzt hieß es über Kufstein entlang der Autobahn und des Inn auf wunderschönen Landstraßen bis etwa Innsbruck zu fahren.

Wir machten die ein oder andere kurze Kaffeepause um dann kurz vor Innsbruck das erste Mal in die Bergwelt zu fahren, es ging über kleine Bergstraßen nach Brenner und von dort in die vorgelagerten Gebiete der südtiroler Dolomiten.

Ganz offen, bis hierhin war ich verwundert – nicht enttäuscht – verwundert, dass wir nicht gleich bei Kufstein ins Herz der Dolomiten vorgefahren sind. Jetzt wurde mir mehr und mehr klar warum. Es gab hier an dieser Seite wunderschöne, viel weniger frequentierte Routen für Motorradfahrer. Die Qualität der Pässe lässt sich aber gut an den Bildern erkennen…

…wir fuhren gemütlich aber doch fokusiert, so dass ich als Wiedereinsteiger zwar gefordert aber immer auf der sicheren Seite fahren konnte. Kurz – wir waren zufrieden und glücklich!

Ein Pass folgte inzwischen dem anderen und wir gewannen mehr und mehr Vertrauen zu Jens´ App, welche uns die besten Bikerouten zur Zielerreichung vorgab.

In der Region Sarntal erreichten wir den höchsten Punkt unserer Tour, es ging bis auf über 2200m!

Dabei kamen wir den „wirklichen Berühmtheiten“ der Dolomiten sehr nahe…

Wir fuhren Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde – ehrlich, ich konnte die zurückgelegte Strecke inzwischen besser am Hintern spüren als am Tacho ablesen. Es war Zeit sich Gedanken über ein Nachtquartier zu machen.

Dank der modernen Medien war dies keine allzugroße Herausforderung und bald schon konnten wir unsere preiswerten und schönen Zimmer in einem Berggasthof des Val di Fiemme beziehen!

Es war abgefahren, inzwischen wusste ich ungefähr wo ich war, wo wir fuhren, welcher Route wir folgen. Wir kamen durch Regionen und Bergdörfer welche ich vor vielen Jahren mit dem MTB kennen lernen durfte. Jetzt komme ich mit dem Bike auf diesen Traumrouten zurück – Sarntal mit Sarnthein, Val di Fiemme, Belluno und so viele mehr – es war ein Traum!

Ich habe das Bier mehr als genossen…

Beim Bier sollte es nicht bleiben. Ich habe mich den ganzen Tag auf meine Pizza gefreut und das sollte auch klappen. Nach dem Duschen hat uns nichts mehr halten können, auf in die Pizzeria, einmal Capricciosa bitte!

Ein TRAUM, die Pizza war ein Gedicht! Dennoch war mir eine Laus über die Leber gelaufen – es war der QR Code meines Impfzertifikates. Das Übel kehrte zurück obwohl ich mich mit dem Download der italienischen GreenPass App bestens vorbereitet hatte und gewappnet schien.

Der Teufelsscanner der Italiener will meinen Code nicht akzeptieren! Konnten wir das in der Pizzeria noch lösen, wusste ich, beim Einchecken auf der Fähre stellt sich hier ein unerwartetes Problem in den Weg!

Egal zunächst, es musste weitergehen! Tag 2 der Tour brach an, Ziel heute sollte bereits Venedig sein. Jens, der Weitgereiste, der mit dem ich tausende Kilometer im Auto verbrachte, tausende Meilen geflogen bin, dieser Freund war niemals in der Stadt der Gondeln – wir wollten mein Ziel zum Zweck des Besuches nutzen.

Die Bikes waren gepackt, mit einem Lächeln im Gesicht ging es los – bereits die ersten Kilometer des Tages sollten ein Highlight der Reise werden…

…es ging sehr rasch zum Einstieg in den Manghenpass, es reihte sich eine Kurve an die nächste, eine Serpentine folgte der anderen – es war ein Stakkato an Eindrücken und ein perfektes „zweites Frühstück“ für den Biker!

Auf der Passhöhe angekommen waren wir zunächst wirklich alleine, genau wie auf der Straße zuvor – wir konnten die Natur und den Gipfel für uns genießen.

So viele Eindrücke, zuviele um sie auf Bildern festzuhalten – ein Versuch der ohnehin meist misslingt!

Die kleine Alm etwas unterhalb der Passhöhe war zu schön um nicht kurz dort einzukehren. Und obwohl wir erst vor einer, vielleicht eineinhalb Stunden gefrühstückt hatten, nahmen wir uns die Zeit dort einen Cappuccino zu trinken. Ein Fest für die Sinne.

Wir mussten weiter! Hatten wir doch unser Ziel in der Lagune vor Augen…

Es ging wieder runter ins Tal, vorbei an Schluchten und saftig grünen Landschaften. Ich konnte das nach den Monaten der Abstinenz und meinem Leben im Blau schon außerordentlich genießen!

Bald verließen wir Südtirol und kamen ins „echte Italien“, dies merkte man an den Gaststätten…

…und der Beflaggung – wir kamen dem Ziel deutlich näher!

Eine letzte Pause bevor wir den letzten Pass in Angriff nahmen…

…es ging noch einmal richtig hinauf – auf die Anhöhen rund um den Monte Grappa, über Straßen die ich mich in Deutschland nicht trauen würde sie zu befahren, wären sie doch sicherlich auch als gesperrte Versorgungswege gekennzeichnet.

Dort bot sich uns ein letzter herrlicher Ausblick, nicht zuletzt über einen Teil der heutigen Strecke. Ich war stolz und happy.

Von jetzt an ging es nur noch bergab. Wir fuhren direkt in die Landschaft des Veneto und hatten noch rund 100km über Land durch die Ortschaften zu fahren. Es war plötzlich bullenheiß, eine Pause und ein kleiner Mittagssnack taten Not – klar, dass auch hier landestypisch entschieden wurde.

Eine gute Stunde später waren wir in unserem Hotel angekommen. Das Haus war wenig frequentiert, viele Bereiche geschlossen – aber insgesamt waren wir zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis untergebracht, kein Grund zum Klagen!

Und das Beste, kein Zufall, das Hotel lag nur 4km von der Fährstelle Fusina entfernt, ich hatte am nächsten Morgen keinen lästigen Berufs- oder Stadtverkehr zu erledigen.

Es war inzwischen 16.30 Uhr, wir mussten uns sputen um den geplanten Venedigbesuch noch umsetzen zu können. Frisch geduscht und kurz behost nahmen wir zwei der Bikes und fuhren direkt bis an die Stadtgrenze – wir konnten die Ponte del Liberta überfahren und direkt am Piazza le Roma parken – das geht mit dem Motorrad, sogar relativ günstig!

Mancheiner mag sich denken, dass Venedig in ein paar Stunden nicht zu schaffen ist – das ist richtig! Und doch reicht es, sich einen ersten Eindruck zu holen. Wir sind also vom Piazza le Roma schnurstracks per pedes Richtung Rialto – dabei haben wir Eindrücke gesammelt…

Natürlich – die Gondeln
Ponte Rialto

…wir haben uns für das obligatorische Touristenfoto auf der Rialtobrücke angestellt!

Aber auch auf Kleinigkeiten geachtet, kurzum, wir haben den Flair der Stadt aufgesogen – das war an diesem Traumtag, zu dieser Stunde, nicht schwer!

Schöne Details
Tolle Stimmung

Von der Rialtobrücke ging es weiter – wie sollte es anders sein – zur Piazza San Marco, zum Markusplatz…

Campanile San Marco

…mit seinen berühmten und beeindruckenden Bauwerken!

Museo di San Marco / Basislica di San Marco
Palazzo Ducale – der Dogenpalast

Ich denke, wenn man das erste Mal in Venedig ist packen einen die Eindrücke. Es war ok für uns nur ein paar Stunden gewesen zu sein, wir wollten zurück – aber mit dem Vaporetto.

So haben wir uns drei Einzelfahrten vom Dogenpalast zum Piazzo le Roma gekauft und uns ins feierabendliche Gedränge gestürzt…

…aber auch diese, relativ weite Fahrt hat Spaß gemacht und zum Abschluss noch eine andere Perspektive auf Venedig ermöglicht!

Geistesblitz -> Glücksfall! Meine Bedenken bezüglich des Impfzertifikates kehrten zurück, ich habe auch ein einer Bar in Venedig ein „Fail“ hinnehmen müssen, was tun???

Testen! So suchten und fanden wir das Testzentrum Venedigs welches noch eine halbe Stunde geöffnet hatte…

Ich füllte meine Unterlagen aus, berappte brav die geforderten 22.-€ (als Geimpfter) und bekam nach 20 Minuten mein Ergebnis – NEGATIV!

Dass man für das Einchecken mit Test ein anders PLF (Personal Locating Form) als für die Einreise als Geimpfter braucht wusste ich – das würde ich im Hotel erledigen. Doppelt gemoppelt hält besser, so sah ich meinem Check-In für den Folgetag gelassen entgegen.

Mittlerweile war es 20.00 Uhr, wir gingen tatsächlich nochmals in die Gassen des dunklen Venedig und aßen an einem kleinen Kanal zu Abend – danach ging es per Bike zurück ins Hotel.

Jens und Marcel traten am nächsten Tag frühmorgens Ihre Heimreise in den Landkreis Reutlingen an, wir hatten uns verabschiedet und ich war und bin dankbar für die nette und kurzweilige Reisebegleitung. In Jens´ Fall zeigt mir diese Tour, dass im Job geschlossene Freundschaften auch nach dem Abschied des Einen Bestand haben können, in Marcel´s Fall wurde klar, dass genau über diesen Weg auch neue Kontakte und Freundschaften entstehen können!

Ich habe die Tour sehr genossen – DANKE Euch Beiden!

Von nun an ging es alleine weiter. Der Tag meiner Fährpassage war gekommen, einen Wecker brauchte ich nicht zu stellen, das Ablegen war für 12.00 Uhr geplant, ich müsste mich etwa zwei Stunden vorher einfinden – Zeit genug für ein Frühstück in einer der Bars beim Hotel um die Ecke…

Das Panino schmeckte nach Italien, der Cappu war eine Wucht – zusammen für 4,70€, günstiger und besser kannst Du kaum frühstücken. Ich war bereit, auf geht´s, die Fähre wartet.

Ok, zunächst wartete nicht nur die Fähre sondern vorrangig ICH – nämlich am Ende der Warteschlange vor dem Check-In. Wegen Covid war alles etwas komplizierter, es muss aber dabei angemerkt werden, dass hier alles hervorragend organisiert war. Die Wartezeit verging und ich realisierte rasch, auch hier werden die QR Codes der Impfung gescannt! Das habe ich gar nicht erst versucht, ich habe mit meinem Testergebnis eingecheckt und war kurz darauf fertig um die Fähre zu boarden.

Da es sich wieder um die ASTERION II handelte und zudem der Rückweg nur eine Übernachtung umfasst, war mein Plan klar – die Bikes werden als erstes geboardet, ich werde meine Taschen packen und sofort zu MEINEM Platz in der ehemaligen Disco rennen! Gesagt, getan und schon wenige Minuten später war mein Nachtlager gerichtet…

Ich konnte es mir gemütlich machen und auf die – pünktliche – Abfahrt der Fähre warten.

Bald schon ging es los und wir verließen zur Mittagszeit die Lagunen und Venedig blieb achteraus. Irgendwann, viele Stunden später, waren die griechischen Gewässer erreicht und wir hatten wieder Landsicht – das ist insgesamt auch kurzweiliger.

Da die Überfahrt und der Zwischenstopp in Igoumenitsa planmäßig verliefen, war auch die Ankunft etwa termintreu. Ich wusste, dass wir gegen 21.00 oder 22.00 Uhr in Patras ankommen würden und hatte deshalb ein Nachtquartier in der Hafenmetropole gebucht.

Doch zunächst wurden die Fahrer gebeten zu den Fahrzeugen zu kommen um ein schnelles Entladen des weißen Riesen zu gewährleisten – es ist schon Wahnsinn wie die Dinger vollgepackt werden! Mein Bike stand wieder in der letzten Ecke, doch diesmal war ich rasch draußen…

In Griechenland konnte ich ohne Probleme mit meiner griechischen Impfung einreisen, insgesamt ging auch das generelle Procedere rascher vonstatten.

Die Herberge war vorgebucht „Lovely Appartement“ – nun ja, der Name klingt in deutschen Ohren komisch finde ich, aber das Zimmer entsprach voll den Erwartungen!

Das wirklich Gute aber war, dass ich mir eine Lage ausgesucht hatte welche man aus „normalem“ Blickwinkel eher als suboptimal bezeichnen würde. Direkt an einer Einfallsstraße nach Patras, unweit des Autobahnzubringers, in der ersten Etage eines Autohauses – aber eben verkehrsgünstig zum Port (5 Minuten) und fußläufig zu meinem „Stammlokal“ in dem mich die Bedienung und der Chef inzwischen kennen. Es wurde wieder gefragt ob „Meat“ meinen Vorstellungen entspräche, abermals wurde ich nicht enttäuscht…

Elefteria und Kostas gaben sich große Mühe mit mir, so konnte ich zwei Raki später in mein Zimmer trotten und mich auf´s Ohr hauen, morgen ist ein neuer Tag!

Und der ging gut los! Perfektes Wetter, warm, sonnig – ich stand recht früh morgens auf und fuhr auf der Autobahn an Patras vorbei. Ich hatte keine Lust durch die Stadt zu fahren. Kurz nach Patras wechselte ich auf die „Old National Road“ um die rund 200km nach Piräus auf der Landstraße abzuspulen.

Ich fuhr durch Dörfer, meist am Meer entlang, konnte Düfte wahrnehmen und die Sonne auf der Haut spüren. Nach etwa einer Stunde suchte ich mir einen wunderschönen Platz zum frühstücken aus.

Entlang solcher Routen gibt es so viel zu sehen, ich genieße das, ich mag die kleinen Details – sei es, beim Betrachten von aus meiner Sicht witzigen Graffito…

…oder beim Pflichtstopp an kulturell wertvollen Bauwerken, wie dem weltberühmten Kanal von Korinth. Hier bin ich 2011 mit der alten NESSAJA durchgefahren und jetzt habe ich den Kanal mit dem Motorrad passiert – ich fühlte mich griechisch 😉 …

Mein Weg führte mich schnurstracks nach Piräus, ich kam überpünktlich an und hatte noch etwas Zeit abzusitzen. Bei BlueStar kann man online einchecken, ähnlich wie beim Fliegen – ein sehr guter Service! So hatte ich keine Formalitäten zu erledigen und entschied kurzfristig die Wartezeit in Piräus in der mir bekannten Zea Marina zu verbringen.

Gegen 16.30 Uhr war es an der Zeit zum Hafenterminal zu fahren, der blaue Riese stand bereits mit offenem Schlund zum Beladen bereit…

Hier wurden die ganzen Bikes an einem Platz gesammelt und entsprechend dem Ausstiegshafen sortiert, alles war perfekt organisiert.

Ich hatte wieder Deckspassage, aber wiederum Glück bei der Platzwahl. Ich fand einen freien Eckplatz und konnte mir ein Lager für die neunstündige Überfahrt bauen.

Uff, leider doch Pech! Irgendwie war in dieser Nacht der Wurm drin, ich habe kein Auge zugetan. Da die Ankunftszeit um ca. 04.35 auch nicht unbedingt zuträglich war, habe ich zu gegebener Zeit entschieden, dass ich dann eben diese Nachtruhe ausfallen lasse! Um kurz nach 04.00 hatten wir Leros querab…

Ich war geschafft! Aber einfach hinlegen und schlafen? Nein, ich hatte Sibylle versprochen, dass ich bei Ihrer Ankunft um 12.30 Uhr meinen Verwaltungskram und die Computerarbeit weitgehend erledigt hätte und das Schiff schon ein wenig wohnlich sein würde – hatte ich doch bei meiner Abreise alles was nicht niet- und nagelfest war in den Salon geräumt.

Sibylle kam wie geplant an, wir machten entspannt klar Schiff und gönnten uns am Abend ein Willkommensdinner bei unserem Freund Dimitris. Wir waren erledigt von der Anreise und wollten danach nur noch schlafen…

Tick tack, die Uhr lief! Wir hatten rund eine Woche Zeit bevor Franziska und Mikey zum Abschlusstörn 2021 kommen würden. Die Projektarbeiten standen noch an, ich musste die Werkzeugkiste auspacken und ran…

So konnte ich mit Hilfe eines Ersatzteiles für meine alte ST50+ Anlage, beschafft durch Fa. Ober in Österreich (der Raymarine Papst), endlich das matte Display meines Tridata ersetzen.

Fummelarbeit für filigrane Fingerchen, eigentlich nix für mich! Aber schon nach einer Stunde konnte ich Vollzug melden, das Gerät tut wieder, die Daten sind wieder ablesbar!

Ähnlich ging es mit der Reparatur des Außenborders voran. Ich habe die Teile welche mir die Fa. Jochum in München beschafft hat – vollständig und in-time – verbaut und der 6PS Quirl ist sofort angesprungen und schien perfekt zu laufen. Die finale Probefahrt steht noch aus…

Nicht so perfekt lief es mit dem Ofen, treue Blogleser erinnern sich! Ich konnte zwar vor meiner Abreise die Bestellung der Teile final absetzen, die Lieferzeit beträgt bei SVB aber rund zwei Monate. Zum Glück konnte ich wenigstens die Federn für die Ofentüre erwerben, so war zumindest der Zusammenbau des Trums sicher gestellt.

Sibylle durfte nochmal in den letzten Ecken des zerlegten Befeuerers nachreinigen – in diese Winkel kommt man später nicht mehr!

Begeisterung sieht anders aus, ich habe in diesem Moment mit Bemerkungen aller Art gespart…

Die Tage waren stressig, aber eben positiv stressig! Wir kamen am Schiff voran, die meisten Freunde waren zurück in der Marina und auch Volker und Kristina von der ELOWYN waren ein paar Tage da.

Wir hatten fast jeden Tag Verabredungen zum Kaffee oder Dinner, trafen dabei die Crews der HARMONY, der LIBERTÉ, der SHAKA, der MAXI und der CHRISTINA – wir hatten Spaß und viele Geschichten zu erzählen. Mit manchen Freunden war es das erste Treffen 2021, mit anderen Crews das vielleicht wirklich letzte für lange Zeit oder gar für immer. Mit einer Crew haben wir in einer Schnapslaune ein „Losfahrertreffen auf den Kanaren“ für 11/2023 verabredet – mal sehen…

Ich war zufrieden, ich war in meiner Welt, auch wenn Familie und Freunde aus dem Oberland manchmal fehlen!

Mit dem Motorrad konnten wir uns gut auf der Insel bewegen, die Fahrten zum Strand und den Tavernen, das Parken, alles war einfacher – eine gute Entscheidung!

So suchten wir die schönen Plätze der Insel mit dem Bike auf, zum Beispiel die Anhöhen bei den Mühlen, beim „Harris“…

…von wo aus wir bei einem Sundowner mit der Crew der ELOWYN den Sonnenuntergang beobachteten.

Um gleich anschließend bei Vollmond bei „Dimitris o´ Karaflas“ zu dinieren und Meze zu genießen.

Im Rahmen der Reparatur- und Wartungsarbeiten wollte ich meinem neuen Kühlkompressor noch etwas mehr Atemluft gönnen – so hat er an der Wartungsklappe ein weiteres Lüftungsgitter bekommen.

Sogar für Fleißaufgaben blieb ein bisschen Zeit – ich konnte als Gegenleistung für viele gute Tips und eine stetige helfende Hand auch bei Gottfried´s HARMONY ein wenig unter die Arme greifen.

Der alte Mariner Zweitakt Außenborder brauchte eine neue Vergaserdichtung und ich erinnerte mich bei dem Wort „Dichtung“ nicht nur grob an meine Tätigkeit der letzten 20 Jahre, auch das Material war mir noch im Kopf – und in der Lagerhaltung…

So präpariert bin ich überzeugt, dass der alte Vaporisateur seine Aufgabe weitere 30 Jahre verrichten kann!

Sonst was Neues??? JA!!! Es wurde kalt!

Der griechische Herbst ist anders als der deutsche. Noch kein Regen, aber ab und an eine Wolke, wenn Wind weht, dann tut er dies meist recht frisch, so dass die Temperaturen nur noch selten die 30° Marke erreichen. Wir hatten auf einmal immer öfter um die 25°C, abends frischer…

Zeit den Pulli dauerhaft auszupacken…

Dies sollten wir leider auch beim Abschlusstörn zu spüren bekommen, aber das wussten wir ja noch nicht!

Die Tage verflogen, Freunde beendeten ihre Saison und flogen nach Hause. Wir schreiben die dritte Septemberwoche, Franzi und Mikey werden bald anreisen. Es war vereinbart die beiden in der Kos Marina aufzunehmen.

So legten wir am 25.09. ab um nach Kalymnos / Emborio zu fahren. Wir wollten eine Nacht an die Boje, für den Folgetag war ein Liegeplatz in der Marina reserviert.

In der Bojenbucht waren wir in illusterer Gesellschaft, seit langer Zeit war mal wieder eine Megayacht mit Heli nahebei. Der Heli kam auch zum Einsatz, wahrscheinlich um Semmeln zu holen. Wem gehört das Gefährt? Nun, Google meint dazu, dass der drittreichste Russe der Eigner wäre, ach so…

Emborio meinte es wieder nicht so gut mit uns. Wir lagen zwar sicher, aber die Fallböen waren eiskalt und der Seegang sorgte durch ein Abprallen an den Inseln für stetigen Schwell in der Bucht. Wir haben kaum geschlafen und waren froh in die Marina verholen zu können.

Kos Marina mag ich! Sicher, gepflegt, einladend – und immer was zu sehen…

Diesmal sind es singende Bayern denen bei „Turn me loose“ schon in Zeile zwei der Text ausgeht, die aber dafür den Refrain umso lauter grölen. Man setzt voraus, dass die ganze Marina den Musikgeschmack teilt und beschallt darum die ansonsten friedvolle und leise Marina den ganzen Nachmittag.

Da die Crew derartig pubertär vorgeglüht war schwante mir Fürchterliches – aber ein Wunder geschah! Man besann sich auf die Kinderstube und um 21.30 Uhr war Schicht im Schacht – DANKE!

Ein Lob an den Skipper, der offensichtlich sein Team im Griff hat. Ok, an den Regeln der Seemannschaft und dem respektvollen Benehmen im Gastgeberland können wir noch etwas feilen…

Genug geunkt – Franzi und Mikey kamen an, die Anreise war problemfrei und wir konnten noch einen Absacker in der Marinabar nehmen – wir haben uns von der selbsternannten „besten Bedienung Griechenlands“ verabschiedet (ich mag sie wirklich und sie ist auch gut!) und haben das Schiff für die Abreise am nächsten Tag klar gemacht.

Geplant war ein One-Way Törn für unsere Gäste, von Kos nach Rhodos. Sind wir doch letztes Jahr ausgiebig durch den nördlichen Teil des Dodekanes gereist, wollten wir dieses Jahr den südlichen Teil bereisen. Unsere Route war in etwa so geplant…

Ob ein Abstecher nach Tilos möglich und gewünscht ist wollten wir unterwegs entscheiden, heute wissen wir – das wird nix mehr! Zur Wettersituation, die uns natürlich bekannt war, später noch ein paar Worte mehr. Es war Zeit abzulegen, wir verließen die Kos Marina in bester Laune und setzten umgehend die Segel.

So ging es Richtung Osten, wir hatten um das östliche Kap von Kos zu fahren, die Türkei und die Küste rund um Bodrum dabei stets im Blick.

Obwohl Sibylle ja viele Tage in Deutschland war, waren Mutter und Tochter froh ein paar Urlaubstage gemeinsam verbringen zu können, die Vorfreude war groß.

Der Wind frischte zwischenzeitlich auf, wir kamen bei 24kn / NW gut voran. Von einer Minute zur anderen hatten wir aber auch Phasen der Flaute. Unser erstes Ziel hieß Nisyros, wir wollten den Vulkan erkunden und die Insel entdecken. Sibylle und ich kannten das Eiland schon und konnten Franziska in ihren Plänen nur bestätigen. So musste navigiert werden um die Hafeneinfahrt von Paloi auch zuverlässig zu treffen – diesen Job übernahmen Mikey und ich.

DELFINE!!! Franzi schien etwas gesehen zu haben – nein, doch nicht! Aber was ist das dann? Des Rätsels Lösung, eine Schildkröte welche sich in der Sonne während einer Flaute gesonnt hat und sich auch durch unser langsames und vorsichtiges Herangleiten nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Danke für´s Fotoshooting Frau Turtle, weiter ging es bei völliger Windstille, es musste ein Stück motort werden…

Eine Viertelstunde später kam der Wind als WNW 6 zurück und wir mussten am Wind die letzten Meilen bis Nisyros ansegeln.

Sibylle wurde etwas nervös als sie mehrere Masten, ein Dutzend oder eher zwei, zählen konnte. Dachte sie doch zu dieser Zeit wäre sie ganz alleine in Nisyros! Weit gefehlt! Die leere Marina Kos (bis auf die Bayern die noch einen Tag vorglühen mussten) war ein Indiz, man ist unterwegs Ende September.

So kam es, dass wir den drittletzten „echten“ Platz bekommen haben, es wurde an diesem Abend echt eng im kleinen Hafen von Paloi – der Anlegeschluck war verdient!

Da Sibylle ja immer den Drang zu Bewegung verspürt, folgte dem Anlegeschluck ein kleiner Fußmarsch Richtung alte Therme, dabei wird auch der Laden des Bäckers passiert, er ist bekannt für gute und frische Backwaren – nun morgen zum Frühstück!?

Die alte Therme aus den 1920er Jahren ist weitgehend verfallen, gibt aber ein beeindruckendes Fotomotiv ab.

Mit etwas Phantasie kann man die einzelnen Badehäuser noch erkennen und fragt sich unweigerlich, was diese Gemäuer in den 100 Jahren ihres Bestehens alles schon gesehen haben. Schade, dass dieses Bauwerk langsam verfällt…

Paloi selber ist ein kleiner Ort in dem es eigentlich nix und alles gibt. Es gibt eine kleine Strandbar, etliche Autoverleiher, ein paar Tavernen und zwei, drei Minimärkte. Man bekommt Vieles, nicht Alles, hat aber selten eine wirkliche Auswahl, Spezialgeschäfte fehlen – man kommt aus meiner Sicht als Selbstversorger besser voll gebunkert hier her.

Die Liegeplätze sind sicher, aber quer zur herrschenden Windrichtung, dafür hält der Anker gut. Es gibt Strom und Wasser am Kai, es wird verlässlich aber unregelmäßig abkassiert. Wir haben für vier Nächte, dazu später mehr, mit Strom, ohne Wasser, bei 43ft 70.-€ bezahlt. Sanitäre Anlagen gibt es nicht, wer duschen will tut dies entweder am Kai (kalt)…

…oder beispielsweise bei Nikki und Stavros vom Autoverleih „Petastra“. Sie bieten hervorragende sanitäre Anlagen an, Preis 3.-€ pro Person / Nutzung. Man kann sich also gut arrangieren.

Hier lagen wir nun recht sicher und komfortabel!

Geplant war, dass wir zwei Nächte bleiben um einen ganzen Tag zu haben die Insel zu entdecken. Zu diesem Zweck haben wir von Nikki zwei ATVs 4×4 gemietet, welche ausdrücklich für den Offroad Einsatz freigegeben waren. So gerüstet ging es auf Entdeckungstour…

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bekommt man raus wie das Vehikel gut zu beherrschen ist. Wir trauten uns mehr zu und wagten uns auch in das Gelände des Vulkankraters.

Dort angekommen, gingen wir dem Track nach, um diese Uhrzeit noch fast alleine, um einen Eindruck des Krater-Innenraums zu bekommen – in Deutschland fast unvorstellbar, dass man neben den Löchern, aus denen nach faulen Eiern riechendes, heißes Schwefelgas ausströmt, einfach so umhergehen darf…

Angekommen an der Caldera
Beeindruckend – der Abstieg in den Krater
Im Krater
Unwirkliche Landschaft, stetiger Schwefelgeruch

In einem Panoramabild kann man die Ausmaße festhalten, es lohnt sich ein genauer Blick auf das Bild 😉

Zwillinge???

Wir erforschten die Felsspalte, entdeckten Fellreste toter Tiere, vermutlich Ziegen die irgendwie abgestürzt sind, ein wirklich sehenswerter Ort und lohnender Ausflug! Man sollte aber unbedingt VOR den Ausflüglern von Kos hier sein, frühes Aufstehen lohnt also…

Wir traten den Rückweg an, Nisyros hat soviel mehr zu bieten! Ein letzter Blick auf den Kraterrand…

…und ein letztes Panaorama von der Anhöhe – der letzte Ausbruch war übrigens vor 35.000 Jahren, wir fühlten uns einigermaßen sicher!

Yeah, ab ins ATV und über die Schotter- und Sandpisten der Insel zu den kleinen Städtchen am Kraterrand, zuerst nach Nikia…

…das Dörfchen welches bekannt für seine Mosaike ist, besonders das am Stadtplatz! Wir waren zeitig dort, es herrschte kaum Andrang.

So konnten wir gemütlich durch die Gassen schlendern und unsere Eindrücke sammeln, typisch griechisch ist es hier, einfach schön!

Gassen von Nikia
Was ist hinter dieser Türe???

Nach der Erkundung des Dörfchens hatten wir Hunger und waren durstig, wir hatten kaum etwas gefrühstückt weil wir früh dran sein wollten!

So muss auch der „frühe Vogel“ irgendwann eine Rast einlegen…

Genießer

Von Nikia aus kann man hoch zum Kirchlein des Heiligen Propheten Elias, ein Kirchlein wie es griechischer kaum sein kan. Es steht den berühmten und viel fotografierten Schwestern auf Santorin in nichts nach!

Von hier hat man nochmals einen herrlichen Blick über den Krater und kann die Ausmaße noch einmal überblicken…

Wir setzten unsere Fahrt entlang einer Schotterstraße am Vulkanrand fort und kamen als nächstes in das Bergdorf Emborio. Auf dem Weg dorthin kommt man unweigerlich an einer „natürlichen Sauna“ vorbei – ein Gemäuer welches durch den Vulkan auf etwa 60°C aufgeheizt wird und welches früher wohl wirklich zu Erholungszwecken genutzt wurde. Natürlich haben Mikey und ich die Chance ergriffen einen Saunagang einzulegen…

Emborio selbst ist ein wenig verfallener, besticht aber durch seine Burgruine und ein wunderschönes Lokal, das „Balcony“. Dort haben wir etwas getrunken, aber erst NACHDEM wir die Burg erklommen hatten – unter der Anleitung unserer belesenen Fremdenführerin.

…machen sie eine typische Handbewegung!

Hier zeigte sich deutlich, dass Mikey offensichtlich Fußstapfen gefunden hat denen er folgen will – bei unserer nächsten Tour kann er den Part des Richtungsgebers übernehmen!

…kenn ich doch?!

Letzte Station unserer Nisyros Runde war der Besuch der Inselhauptstadt Mandraki. Da darf man sich aber nicht zuviel vorstellen. Auch Mandraki ist nur ein Dörfchen, nur eben etwas größer als Paloi. Der Haupthafen der Insel ist dort, Fährgäste und -touristen kommen in Mandraki an. Es ist wert einmal dorthin zu fahren, wenn es mich auch nicht direkt gepackt hat…

Wir gingen noch zum Kloster (leider geschlossen) und zum um die Ecke liegenden Strand der laut Reiseführer aus lauter schwarzen Vulkansteinen besteht. Das war wirklich schön anzusehen!

Unsere Idee war in Mandraki zu essen, hier gibt es ein Lokal welches in TripAdvisor mit 4,9 bewertet ist und direkt am Fuß des Klosters liegt. Da dies aber dauerhaft geschlossen schien, gingen wir kurzerhand der Empfehlung von Segelfreunden nach und reservierten im „Aphrodite“ in Paloi. Diese Taverne scheint die beste am Platze zu sein, wir können das nicht vergleichen aber im Ergebnis durchaus bestätigen. Das „Aphrodite“ ist sehr empfehlenswert, man wird freundlich empfangen und alles was wir gegessen und probiert haben war super. Reservierung ist empfehlenswert! Wir haben hier Johannes aus der Nähe von München kennen gelernt, er segelt alleine und wir konnten ihm ein wenig Kurzweil bescheren.

Ja, nun schreiben wir den 30.09.2021 – der September ist fast vorbei, der Monatsbericht ist online, unser Törn ist aber noch im vollen Gange.

Wie es weitergeht erfahrt ihr in einem zweiten Teil im Bericht des Monats Oktober.

Vorab sei gesagt, wir sind jetzt seit 27.09. hier und werden definitiv noch bis zum 01.10. bleiben! Der vorhergesagte, stürmische NW 7 ist gekommen, weht beständig mit 6 und hat eben seine 7er Phasen. Das sind für mich Bedingungen unter welchen ich einen sicheren Liegeplatz nicht verlasse.

Wir haben also beschlossen, hier zwei zusätzliche Faulenzertage einzulegen, beschäftigen uns mit Lesen, Wandern, Essen – und eben Blog schreiben! Wir verzichten, wie eingangs schon erwähnt, auf Tilos und planen am 01.10. Richtung Symi abzulegen, dort sind auch moderate Bedingungen vorhergesagt. Es gilt dann Symi zu entdecken und zum Abschluss des Urlaubs von Franzi und Mikey noch Rhodos zu erkunden und unsicher zu machen.

Sibylle und ich werden NESSAJA anschließend zurück nach Leros bringen, erste Einwinterungsarbeiten vornehmen und unseren Winterplatz belegen. Dann planen wir mit dem Motorrad Freunde in Kreta zu besuchen.

Wir haben für den Oktober also Einiges vor – ob das alles so gelingt und wenn ja, wie – das gibt es im Oktoberbericht nachzulesen.

Dazwischen sind wir in Facebook und Instagram präsent, so könnt Ihr Erlebtes immer mit uns teilen.

Wir sind wieder „zuhause“, wir leben wieder unser Leben, wir sind glücklich und zufrieden – wie heißt es doch im Song aus der Überschrift so treffend…

„Da ist die Frau an meiner Seite, die diese Arche mit mir lenkt
Die mir ihre schöne Seele und ihre Klugheit schenkt
Die ich liebe und an der ich jedes kleinste Wort und jede Regung mag, die Freundin, die Komplizin, die mit mir zusammenhält
Wie Pech und Schwefel, zwei gegen die ganze Welt
Mit der ich jeden Lebensturm durchqueren kann und jeden ganz normalen Tag…
Du hast alles, was du wolltest! Was um alles in der Welt
Wieviel unwichtiges Zeug dir oft den Blick darauf verstellt!
„What a lucky man you are!“

Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA vom Skipper, der Capetana und der Crew Franzi & Mikey

August 2021 – Life is live…

Facebook, immer wieder Facebook – kennt Ihr das? Da stellt jemand so eine sinnige Frage wie „…welches Lied war in Deutschland No.1 in den Charts als Ihr 18 wart?“…

Jetzt sitzt Du da und hast zwei Optionen. Entweder Du verdrehst die Augen und klickst weiter – was ich meist mache, oder Du fängst an zu grübeln – und schon hat es Dich!

Google sei Dank weiß ich, dass „Live is Life“ von Opus an meinem 18. auf Platz 1 der Single Charts stand und am Ende des Jahres auch „Schlager des Jahres“ war. Verdient oder nicht bleibt dahingestellt. Übrigens, Album des Jahres war „Born in the USA“ – aber das ist ein anderes Thema.

Zum Einen – ich habe es bewusst einmal so und einmal so geschrieben, denn Schreibweise 2 ist die richtige, während Schreibweise 1 den mir näher liegenden Sinn korrekt beschreibt. So wird der Titel zudem zum am häufigsten falsch geschriebenen Song und füllt auch deshalb diverse Google Seiten – könnt Ihr ja selbst mal nachsehen…

Zum Zweiten – und da spanne ich den Bogen zum Segelblog – trifft meine Interpretation dieses Songtitels sehr exakt das Hippiemotto an der berühmten Mauer von Matala auf Kreta – das Leben passiert heute!

Warum diese Einleitung? Was ist passiert?

Eigentlich nix – und doch etwas ganz besonderes, ich hatte im Laufe des August nach sehr langer Zeit wieder einmal die Zeit und Muse ein Buch in die Hand zu nehmen und mich einzulesen. Ich habe den dicken Schinken „Ich fange den Wind“ von Wilfried Erdmann gewählt, der passt so schön. Ich konnte nicht ahnen, dass darin auch ein paar Lebensweisheiten enthalten sind, welche ich in einer für mich passenden Weise übernehmen möchte. Der Mann hatte den Mut bei Entscheidungen alles auf eine Karte zu setzen, durchdacht, nie leichtsinnig – aber eben doch „hopp oder topp“!

Wer nun denkt, dass man dies mit dem Umzug auf ein Schiff und den damit verbundenen Verkauf des Hauses doch ebenfalls bereits umgesetzt hat, der trifft des Pudels Kern nur bedingt. Dies war nur der Start zu einem Prozess, der Eintritt in ein neues Lebensmodell welches ich vollumfänglich Leben möchte.

Steve Jobs hat einmal gesagt „Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun!“ – nun maße ich mir nicht an die Welt verändern zu wollen, (obwohl…), nur innerhalb meiner eigenen Welt die Grenzen verschieben, das wäre prima. Wenn dann noch ein positiver Effekt für mein Umfeld, für meine Umwelt dabei herausspringt, wäre viel geschafft.

Hier hat der August viel bewegt – doch dazu später etwas mehr…

Ein vielleicht etwas schwieriger, gedankenschwerer Einstieg in einen Monat der ganz banal begann – mit dem Kauf eines gebrauchten ENO Gasherdes.

Das gute Stück wurde als das Modell „Gascogne 3“ in einer Verkaufsbörse angeboten und ich hatte schon vor Wochen Interesse bekundet weil wir erstens einen neueren Gasofen wollten, uns zudem – zweitens – mit einem dreiflammigen Modell mit Grill etwas mehr Kochkomfort an Bord holen wollten.

Es wurde etwas hin und her verhandelt, der Ofen entsprach nicht exakt unseren Vorstellungen, aber nachdem der Verkäufer von sich aus einen deutlichen Preissprung gemacht hat, konnte ich nicht widerstehen und habe die komplette Gasanlage des Verkäuferschiffes kurzerhand in meinen Minibus gepackt – ich denke, das Geschäft war so für beide Seiten ok.

Ich hatte wieder ein Projekt!

Ganz so leicht war es mit der Umsetzung verschiedener Projekte in diesen Tagen Anfang August nicht, wie allseits bekannt hatten wir ein paar Hitzewellen nacheinander, es war wirklich warm zu dieser Zeit – tagsüber und eben auch nachts…

Während wir um die Mittagszeit kontinuierlich über 40°C hatten, war es nachts selten unter 30°C – nun, ich wollte das so, Sibylle hat gelitten und sich in Ihren Heimaturlaub gewünscht – ich glaube, sie hat auch deshalb schon einen recht zeitigen Flug für Mitte August gebucht. Es war also klar, ich würde ca. 3 Wochen alleine hier auf Leros bleiben.

Wir haben uns in dieser Phase der Hitze mehr und mehr an den Strand verzogen um uns im Meer abzukühlen…

…das hat funktioniert, das Meer blieb über all die Tage erfreulich erfrischend und wir konnten die Tage so gut aushalten und auch genießen.

Bei diesen Temperaturen wurde wirklich jede Gelegenheit genutzt, sich irgendwie abzukühlen, von außen beim Baden, oder eben von innen – mit herrlichem Eis…

…oder kühlen Getränken – als „Espresso freddo“ wird selbst der geliebte und unverzichtbare Kaffee zum Erfrischungsgetränk!

Was für uns auf diese Art und Weise gut zu handhaben war, wurde für die Natur in Griechenland mehr und mehr problematisch. Alle Wiesen und Felder, das Gebüsch und Sträucher – alles war restlos ausgetrocknet und aufgeheizt. Es fehlte nur noch ein „Zündfunke“ und es würde ein Inferno geben – es wurde über alle verfügbaren Medien und Kanäle gewarnt.

So hat JEDE(R) der sein Telefon in einem griechischen Netz eingeloggt hatte eine Warnmeldung per SMS bekommen…

Allein – geholfen hat es nur bedingt, wie man später in den Medien hören konnte. Es sind verheerende Feuer ausgebrochen. Wir waren nie direkt betroffen, die Bilder die hier gezeigt wurden waren aber schrecklich.

Die Feuer waren nah an den Vororten Athens und haben Menschenleben bedroht…

Quelle Facebook

…und vor allem auf Euböa wüteten die Flammen unaufhaltsam – es war bedrückend und beängstigend dies mit ansehen zu müssen.

Quelle Internet

Mich hat eine ganze zeitlang beschäftigt, dass wir mit Stefan und Amelie dorthin fahren wollten. Nicht, dass ich Angst um uns oder das Schiff gehabt hätte – aber Augenzeuge zu werden ohne helfen oder eingreifen zu können ist eine Situation welche mich bedrücken würde. Ich war froh, dass wir zu dieser Zeit nicht hier unterwegs waren.

Zu etwa dieser Zeit wurde das Ahrtal in Deutschland überschwemmt – verrückt – hier die Wassermassen welche alles begraben und Leben auslöschen, dort die Flammen die zerstörerisch wüten – ob die Erde sich wehrt???

Es war schwierig in dieser Phase „einfach weiterzumachen“ – auch hier war alles in Alarmbereitschaft. Ich habe mich zur Ablenkung meinen Projekten gewidmet, es gab mal eine „bootsfremde“ Aufgabe anzupacken.

Mein treuer Italiener stand nicht mehr in frischem Gewand da, die Motorhaube war zerschunden, das war so nicht mehr hinnehmbar – also wurde das Teil kurzerhand zum Lackierer gebracht und der treue Scudo bekam ein weniger attraktives Übergangs-Ersatzteil verpasst…

Der Lackierer, (Sibylle meinte wir sind am Schrottplatz der Insel – sie muss da noch etwas entspannen), war ein supernetter Typ der sich mächtig ins Zeug legte und termintreu nach drei Tagen stolz sein Ergebnis präsentierte – tata, nicht schlecht, oder???

Mit dem wieder feschen Wagen suchten wir entweder die Nähe zum Meer oder schattige bzw. windige Plätzchen.

Da traf es sich mehr als gut, dass das „Harris“ wieder offen ist und es dort oben SOWOHL schattig als auch windig ist. Solange Sibylle noch hier war, sind wir regelmäßig dort oben aufgeschlagen um den Moment zu genießen und etwas „runterzukühlen“.

Ansonsten haben wir uns beschäftigt ohne zu viel Aktivität an den Tag zu legen – es war einfach zu heiß. Für Sibylle hieß das meist Lesen…

Bei mir ist es eher so, dass ich Ideen nachhänge und sich „lesen“ häufig auf Internetplattformen beschränkt – was ab und an in Spontanentschlüsse mündet…

„Du, Sibylle?“ Ich höre ein „hmmm“ – die Aufmerksamkeit scheint mir sicher. „Ist es nicht so, dass der Fiat immer fürchterlich heiß ist wenn wir losfahren?“ Wieder vernehme ich ein „hmmm“…

Es scheint mir clever, gleich eine Salve an Argumenten abzufeuern…

„Ist es nicht so, dass der Wagen eigentlich viel zu groß für die Straßen hier ist, zu gut um ihn hier zu verschrammeln? War es nicht immer fein mit dem Roller zum Baden zu fahren? Verbraucht ein Zweirad nicht generell weniger Sprit? Das Parken ist mit dem Minibus auch recht stressig, oder?“

Jetzt machte Sibylle den Fehler mir nicht Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, wieder höre ich „Ja, schon, hmmhmmmm…“

Ha, das interpretiere ich als Zustimmung, gekauft – die Probleme löst nur ein Zweirad! Und weil ich nicht mehr 17 bin und auch mehr als, sagen wir 95 Kilo wiege, wurde es eines aus bayrischer Produktion – ein Kleinmotorrad für „echte Kerle“.

Mein Sohn Stefan wurde als Executive ins Rennen (nach Rosenheim) entsandt und vermeldete wenig später Vollzug – das Mopped gehört mir, wir haben unser Alternativfahrzeug für einen günstigen Preis bekommen. Das Beste – es passt in den Fiat und wird uns von nun an auf der Reise begleiten.

Bereits wenige Tage später trägt es seine neue Nummer und deutlich meine Handschrift – Nummernschilder waren schon immer eine Passion von mir 😉

Sibylle gab sich geschlagen, nicht ohne mir noch eine Denksportaufgabe mitzugeben…

Wie kommt das Ding denn nach Griechenland???

„Ähhhh, schluck, ähhhh – es ist ein Motorrad – ich fahre!!!“

Jetzt hab´ ich es mir eingebrockt. Ob das klappt und welche Rolle mein Freund Jens dabei spielt könnt ihr im Monatsbericht September lesen. Zurück zu nautischen Themen!

„WARUM FAHRT IHR NICHT RAUS?“

Diese Frage habe ich mehr als einmal beantworten müssen, fast schon rechtfertigend…

Die Antwort ist einfach wie nie, aber eben nicht selbstverständlich – weil wir nicht müssen! Weil wir hier wohnen! Weil wir Zeit haben…

Ich erinnere, es ist August, zu diesem Zeitpunkt noch ohne die Türken welche normaler Weise in Scharen in den Dodekanes fahren (während ich diese Zeilen tippe sind die Buchten voller türkischer Flaggen), war es dennoch reichlich voll in den Buchten der Kykladen und auch auf den kleinen Inseln rundum.

Wir wussten, dass Sibylle Mitte des Monats nach Deutschland fliegen würde, wir hatten das Auto hier und waren mobil, hatten schöne Tavernen und schöne Strände – was wir nicht hatten war ein bezahltes TEPAI, das wollten wir uns für den halben Monat August auch sparen. Zu guter Letzt, wir haben unseren Liegeplatz hier, es ist im Moment unsere Heimat – deshalb haben wir entschieden, der August wird ein statischer Monat…

Außerdem ist im August hier mächtig was los. Wir freuten uns hier vor Ort an Veranstaltungen teilnehmen zu können welche uns bisher versagt waren.

Ich habe vor einiger Zeit mit Manolis Platis Kontakt aufgenommen. Er spielt Fidel auf eine Art und Weise die ich liebe, ich könnte stundenlang zuhören. Das haben wir dann auch gemacht – auf einer Art „Probeveranstaltung“ im kleinen Kreis und dann beim großen Fest zu Maria Himmelfahrt, ein sehr hoher Feiertag in Griechenland.

Es war wunderbar „mitten drin“ zu sein und den Menschen aus Leros beim Feiern und Tanzen zuzusehen…

Bissl deutsch – wir waren die Ersten…
…aber nicht lange!

Hört sich nach Müßiggang an – weit gefehlt! Sibylle erinnerte mich stetig an die Projekte und die immer länger werdende „To-Do“ Liste. Inzwischen war es etwas abgekühlt und sie mahnte zu Fleiß und Leistung.

Ok ok, dann tragen wir das Monstrum von Herd mal in die „gute Stube“. Alleine das war schon ein Projekt, zumal „das Ding“ gerade so durch unseren Niedergang passt. Es wurde ein Platz gesucht und die Baustelle abgegrenzt…

Was Sibylle nicht wusste, längst hatte ich eine Taktik 😉 ! Ich würde warten bis sie abgereist ist, mich dann konzentriert und strategisch an die Arbeit machen und mir durch intelligentes Zeitmanagement ein Mehr an Freizeit erarbeiten – während ich das schreibe erinnere ich mich an die Meetings von früher, paaah, Vergangenheit…

Zuerst mussten wir aber noch Sibylle verabschieden – gebührend versteht sich – und das machten wir mit einem Festmahl bei Dimitris, zusammen mit den Crews der „Jasper“ und der „Harmony“ – wohl ahnend, dass es sich bei der ein oder anderen Crew, unter Einhaltung grober Zeitpläne, eher um ein „Lebewohl“ als um ein „Auf Bald“ handelt.

Am nächsten Tag hieß es „Adieu meine Capetania“, ich brachte die Gattin zur Fähre, ein letzter Kuss und sie verschwand am Horizont…

Ok, bisschen dick aufgetragen, aber nun war ich alleine, alleine zuhaus – Mario allein zuhause…

Na hoffentlich läuft es bei mir glimpflicher ab als bei meinem berühmten Filmpendant Kevin!

NESSAJA hatten wir zuvor verholt. Mir ging das ewige Gezerre des Schiffes an den Festmachern auf die Nerven. Ich selbst war nicht ganz so gierig nach Frisch- und Zugluft, mir war der soziale Anschluss und die Nähe zum Waschhaus wichtiger – NESSAJA liegt jetzt an ihrem gewohnten D-Steg und ich bin wieder mittendrin statt nur dabei.

ANPACKEN! LOS GEHT`S! Ok, aber nicht gleich – erst ein bisschen die Ruhe genießen, nicht eingetaktet sein, neue Abläufe gestalten – auch mal schön…

So traf es sich bestens, dass gleich nochmal ein Konzert stattfand – da gehe ich hin – alleine!

Giorgos und Nikos Stratakis – kennt man die? Heute weiß ich – JA! Die beiden machen Musik aus Kreta und lassen Kultur lebendig bleiben. Bemüht mal Google, es war durchaus Prominenz die sich hier auf Leros eingefunden hatte.

Ich war ja ab jetzt täglich bei Marietta zum Frühstücken (um Geschirrspülen und Einkaufen zu vermeiden) – sehr gut übrigens und auch ein Ort der Kommunikation…

Das Bistro war gleichzeitig der Kartenvorverkauf für die Konzerttickets – also habe ich mir kurzerhand eines gegönnt. Hier muss man wissen, 12.-€ sind für hiesige Verhältnisse kein Pappenstiel!

Der Abend des 19. war gekommen, ich also rein in die „Ausgehbuxe“ des Herrenausstatters meines Vertrauens (e&s) und ab zur „Arena“ von Leros / Platanos. Ich war zeitig dran, diesmal nicht der deutschen Tugend folgend, eher weil mein Scudo ja einen XXL Parkplatz braucht, die sind rar gesät auf der Insel – aber die Argumentationskette kennt ihr ja schon…

Manchmal braucht´s Glück und so konnte ich den treuen Großraumvan in eine passende Lücke in Gehweite der Konzertarena zwicken.

Die paar Schritte zur Kartenkontrolle getrabt und dort, das Billet in der Hand, mit der Frage konfrontiert „Maska???“ – nun, Maska ist ja (fast) international, ja, klar, die Maske! Ich greife in die Hosentasche in der ich das wichtige Accessoir immer bei mir trage… NICHTS! LEER!

Oweh, die Standard- gegen die Ausgehbuxe getauscht, die Maske vergessen – was tun? Nun, ich bin in Griechenland – man hat meine Not bemerkt und mir kurzerhand eine Maske (neu) geschenkt, sehr nett, wie ich finde!

Jetzt aber! Dermaßen vorbereitet und ausgestattet betrete ich die Arena und muss entscheiden – auf die Plastikstühle oder auf die Stufen der „Tribüne“ – ich entscheide mich, ohne zu wissen warum, für die Tribüne.

Das war wohl Glück, denn hier saßen die meisten Einheimischen, oft etwas jünger als ich, aber auch Gleichaltrige, ausgestattet mit Kühltaschen in denen mitgebrachte Speisen und Getränke auf Verzehr warteten.

Auf den Plastikstühlen nahmen mehr die Honorationen oder eben Touristen Platz – ohnehin nicht meine Welt…

Es ging los – und wie! ALLE Musiker waren gut – aber der Sänger war der Hammer! Zuerst wollte ich es nicht glauben, der hat sich hingesetzt und ist bis nach der Zugabe nicht aufgestanden – aber was der Typ im Sitzen für ein Feuerwerk abgeliefert hat, WAHNSINN!

In Gestik und auch Mimik eine Mischung aus Joe Cocker und Ian Anderson, nur eben im Sitzen und auf Griechisch, eine perfekte Mischung – „Special Blend“!

Die Stimmung war ausgelassen, das Ambiente durch den Blick auf Castell und Kapelle einzigartig und die Menge, ein paar Hundert bestimmt, hat getobt. Ein sehr spezieller Abend!

Unvergesslich wird er für mich bleiben weil mich auf einmal ein junger Mann von hinten antippt und auf Englisch fragt wie es mir geht – „…fine!“ antworte ich – dieser Smalltalk reicht einer Frau die des jungen Mannes Mutter sein konnte für ein „Where are you from?“, sie hatte offensichtlich gemerkt, dass ich nicht aus England komme.

„Germany…“ antworte ich, „..near Munich“ – sie wurde interessiert – „Aschheim?“ höre ich sie fragen, ich wusste, dass meine ehemalige Heimatstadt Partnerstadt von Leros ist.

Als ich Ihr das kurz erkläre, schwenkt die Dame um auf Deutsch, stellt mir Ihren Mann, Kostas, vor und meint, sie wäre in Wuppertal geboren und freut sich, ein paar Worte Deutsch mit mir sprechen zu können. Das hat mich gefreut.

Kostas aber, für den ich an diesem Abend „my friend“ war, hat mich von dieser Sekunde an mit Raki aus Kreta (aus dem Plastikbecher) und Souvlaki versorgt – das passiert Dir eher wenn Du alleine unterwegs bist – ich habe den Abend genossen und bin sicher, ich werde Kostas wiedertreffen!

KEIN AUFSCHUB mehr möglich! Die Projekte…

Ich musste ran – das erste Projekt war ein vermeintlich einfaches. Den Ofen zerlegen und defekte Teile finden. Gesagt, getan!

Da ich weiß, dass Deutschland, hier will ich die Teile bestellen, nicht unbedingt berühmt dafür ist Weltmarktführer im Servicebereich für nervige Kleinteilbesteller zu sein, nehme ich mir vor, drei Lieferanten um die Ersatzteilliste zu bitten. Ich wollte die Teile selbst heraussuchen und mit Ersatzteilnummern bestellen – bestellen light – spart dem Lieferanten Zeit und mir Ärger.

Ich bekomme die ersehnte Liste und lege los, bemerke aber schnell – da stimmt was nicht! Der als Gascogne 3 gekaufte ENO entpuppt sich als das Topmodell der Marke, als ein „Bretagne 3“ mit Grill.

Dieser fast um 300.-€ teurere Gasofen lohnt die Investition in die Teile und ich nehme mir fest vor den Ofen anzupassen und einzubauen – komme was wolle, egal wann! Dieses „egal wann“ sollte recht rasch an Bedeutung gewinnen, die Teile müssen aus Frankreich bestellt werden, Lieferzeit rund drei Monate. Bis heute habe ich die Bestellung nicht final abschließen können! Es gilt jetzt noch Expressoptionen abzuklären, bis dahin darf der Ofen mit mir im Salon wohnen…

Ich notiere weitere Teilebestellungen und der aufmerksame Beobachter merkt sofort, am Tisch liegen nicht nur Ofenteile!

Das ist richtig, denn nachdem das Projekt „Ofen“ so abrupt beendet wurde, habe ich sofort die nächste Baustelle begonnen und abermals das Werkzeug für das sogenannte „Abgarnieren“, das Zerlegen, bereitgelegt – diesmal war mein immer nervender Außenborder Ziel meiner Attacke!

Mein Suzuki DF 6 ist immer mal wieder Anlass für Projektarbeiten diverser Coleur. Mal nur das Reinigen des Vergasers, mal der Tausch allerlei Verschleiß- oder Reparaturteile – Vergaser, Benzinhahn, Tank, Kraftstoffschläuche, Benzinfilter, Zündkerze – alles schon getauscht, die Freude an dem durchaus potenten Quirl immer nur von kurzer Dauer!

Dem Übel rücke ich nun zu Leibe! Ich stelle fest, dass im Tank immer wieder Partikel unbekannter Herkunft sind…

…und beschließe daher VOR diversen Einstell- und Anpassungsarbeiten erstmal den Rest der kompletten Kraftstoffversorgung zu erneuern. Das ist mir der Suzi noch wert – dann droht die Schrottpresse!

Es wird also zusammengefasst, bewertet und zur Bestellung freigegeben…

Hier habe ich mehr Glück. Gleich meine erste Anfrage ergibt einen Volltreffer. Fa. Jochum in München wird mir alles beschaffen und zur Abholung bereitlegen. Der Suzuki wird mein erstes Rückbau- und Reparaturprojekt im September. Bis dahin bleibt auch er zerlegt unter der Haube zurück.

Mancher technisch interessierte Leser wird sich fragen – hast Du eigentlich nix fertig gebracht, sind doch alles offene Baustellen?!

Ja, stimmt schon – war aber so geplant!

Natürlich habe ich auch Projekte fertigstellen können, so zum Beispiel revitalisierende Maßnahmen an unserem Schlauchboot. Der „Schnulli“ ist ja unsere Landbrücke, ein sehr wichtiges Utensil also. Es leidet durch Sonne (UV) und Salzwasser sowie die häufige und schonungslose Nutzung.

Unser Schnulli ist schon übel mitgenommen und nach sechs Jahren am Limit. Aber es muss 2021 noch durchstehen. Diese Anforderung drohte zu kippen nachdem sich Klebeverbindungen auflösten und das Dinghi Wasser machte. Wir mussten dauernd lenzen, das war so nicht zu akzeptieren.

So habe ich mir ein weitgehend schattiges Plätzchen gesucht und Arbeiten begonnen die ich wirklich HASSE! Kleben und Schmieren ist so gar nicht meines. Ich bekomme es immer irgendwie hin, meist klebt aber mehr des pappenden Schmodders an meinen T-Shirts und Fingern als an der Klebestelle. Der Verbrauch von Küchenrollen steigt exponential!

Zugegeben, schön ist anders – aber zuerst mit Zwei-Komponentenkleber geklebt, dann die Klebekanten mit Klebe-/Dichtmasse verschmiert, quasi die Hyaluronsäure der Schlauchboothaut – das sollte bis November halten – dann wird das Mercury Dinghi ersetzt.

Insgesamt ist es jetzt in einem jämmerlichen, beklagenswerten Zustand – ob ich es einmal mit einem Hypalon Modell versuche? Das muss ich mal behirnen!

Wer viel arbeitet muss viel essen! Das habe ich mir zu Herzen genommen und mir, der Einfachheit und des Geldbeutels halber, eine „Food Strategie“ ausgedacht – morgens Marietta, immer das Gleiche bestellen, mittags Eisdiele, immer die gleichen Kugeln und abends zum „Souvlakki“ Grill, ihr ahnt es, immer das Gleiche bestellen!

Das hat geklappt, die Strategie ist, auch glücklich, aufgegangen!

Bei Marietta sorgt ihr Gatte Takis und die Köchin für Abwechslung – ich bestelle immer das Gleiche, bekomme aber doch immer was anderes, je nachdem was noch da ist und wer gerade zubereitet. Geschmeckt hat es immer – so wurde das Bistro zu meiner Variablen innerhalb meiner Essenstaktik.

In der Eisdiele sorgte mein tägliches Erscheinen wirklich für Freude und Kurzweil, drei Kugeln gibt immer eine unrunde Summe mit viel Klimper-Rückgeld. So wurde kurzerhand festgelegt, dass ich für meine Bestellung täglich eine runde Summe zu zahlen hätte – Punkt! So spart man! 😉

Im Souvlakki (im Ort Lakki – Wortspiel – die Taverne heißt wirklich so) freut man sich über meine Bestellung die inzwischen mit sehr wenig Worten entgegengenommen wird.

„The Classics“??? „Yes“! „OK“!

Keinesfalls leidet die Freundlichkeit unter der schmalen Kommunikation, im Gegenteil, die jungen Damen sind Tag für Tag sehr nett und zuvorkommend, das Essen ausgezeichnet!

Im Ernst – dieses Verhalten ist natürlich ein teilweise männlicher Reflex. Einfach! Kein Einkaufen, kein Kochen, kein Abspülen – ich habe nur Wasser, zwei Dosen Bier, zwei Dosen Cola und Tsipero im Kühlschrank – es spart einfach Zeit. UND, ich kann super kalkulieren, ich weiß nämlich exakt was mein Tag kostet!

So gestärkt und motiviert ging es weiter. Es plagen mich schon lange die Füßchen meines Bimini. Das Problem mit Neuteilen zu lösen würde bedeuten mein Deck neu anzubohren – das will ich nicht!

Also brauche ich für ein im Durchmesser zu großes Rohr einen Adapter auf einen vorhandenen Fuß. Nach dem Überdenken stellte sich ein Lösungsansatz als der brauchbarste heraus, eine Passhülse.

Ein Freund von Stefan kann sowas wohl drehen, aber er braucht eine Zeichnung. Ich erinnerte mich an mein Bestreben im Jahr 1985 Technischer Zeichner werden wollen (hat zum Glück nicht geklappt) und machte mich ans Werk…

Vielleicht klappt´s ja und der Freund hat ein Einsehen – was ihm eine Erwähnung im Septemberbericht einbrächte – wäre auf jeden Fall ein Punkt weniger auf der ewigen „To-Do“ Liste.

Dermaßen ermutigt nehme ich mir den letzten Punkt vor die Brust – wieder was mit Schmieren und Kleben – nach der Backbord-Dachluke ist nun die Steuerbordseite undicht und schreit nach gutem SIKA.

Gutes SIKA?! Habe ich, ok, Ablaufdatum 2015 (schluck), ich scheine solche Aufgaben länger vor mir herzuschieben als ich es selbst bemerke! Egal, die edel weiße aber klebrige Melasse wird verwendet und somit dem tropfenden Wasser über unserem Salontisch der Garaus gemacht!

Und sonst???

Wie gesagt, Zeitmanagement meint natürlich nicht nur das Fertigstellen geplanter Projekte „just in time“ – perfekt, wenn man auch für Nebenschauplätze eine unverplante Reserve, früher nannten wir das „Kapa“, hat!

Das habe ich mir natürlich überlegt und gedanklich optimiert – so blieb täglich Zeit für den Gang zu meinem Lieblingsstrand. Idealer Weise etwas später, wenn die ersten urlaubenden Festlandgriechen die Liegen in der ersten Reihe räumen – für MICH!

Das Optimum ist erreicht, wenn dies, wie einleitend geschrieben mit soviel Zeitreserve geschieht, dass es für ein gutes Buch reicht! Ach ja, das kleine, tägliche Bier am Strand musste natürlich auch auf meinen „Food Budgetplan“.

Waren weitere Lücken im Zeitplan, konnte ich diese gut mit persönlichen Notwendigkeiten füllen – so zum Beispiel den Gang zum Friseur (meine Haus- und Hoffriseurin hatte ja temporär abgemustert)…

…oder dem Besuch der hiesigen „Retro Vehicles Show“, die aber leider unter Covid zu leiden hatte. Die Bilder geben, das meine ich ernst, nicht das wieder was auf dieser kleinen Insel an raren Schätzchen in Garagen steht. Die Leute kamen beileibe nicht in dem Maße um ihre Schätzchen auszustellen wie sich die Veranstalter und Gäste das erhofft hatten.

In dieser Sekunde, während ich diese Zeilen tippte, hat mich eine WhatsApp der Gattin in Deutschland erreicht. Sie hat scheinbar die „Schnauze voll“ vom Regen in der fernen Heimat – kann ich verstehen! Ein kotzender Smiley soll die Ernsthaftigkeit ihrer Aussage wohl untermauern.

Wie war mein Wetter hier?

Nun, es hatte sich nicht viel geändert. Die Hitzewellen sind vorbei, es sind tagsüber stetig so um die 30°C, nachts jetzt wieder angenehme 24°C. Das Meer lädt zum Bade, ist aber nach wie vor erfrischend.

Die Farbe des Himmels ist jetzt seit Monaten BLAU, einfach blau, PUNKT.

Obwohl, etwas Abwechslung beim Wetter gab es tatsächlich, gestern erst, da hatten wir kurzzeitig eine Wolke. War spannend nach so langer Zeit!

Ja, so endet (fast) der August – obwohl, eine „Kleinigkeit“ gibt es noch – Sibylle´s zeitige Buchung nach Deutschland hatte natürlich einen weitaus wichtigeren Hintergrund als die hohen Temperaturen hier. Wir freuten uns sehr darauf, erneut Großeltern zu werden, das inzwischen vierte Mal.

Am 25.08.2021 kam der kleine Benno auf die Welt, Sibylle konnte im Haushalt für etwas Erleichterung sorgen und sich um den „großen Bruder“ Otto kümmern. Ich werde den neuen Erdenbürger auch bald kennen lernen. Meine Fährpassage ist für Anfang September gebucht, der Scudo muss, obwohl Europäer, das Land nach 6 Monaten verlassen.

Gemeinsam wollen wir Mitte September zurück sein um nochmal einen Törn in den Südlichen Dodekanes, dann mit Franzi und Mikey zu machen.

Ist die Rückkehr sicher? Wie gehen wir mit Covid um?

Sibylle und ich sind seit ein paar Tagen „European Permantent Citizens“ in Griechenland. Dieses Dokument und unsere deutsche Staatsbürgerschaft stellt sicher, dass wir, wenn auch unter ggf. erschwerten Bedingungen, zwischen Deutschland und Griechenland reisen dürfen.

Life is live – warum die Einleitung?

Mir hat der August, der Monat OHNE Segelei, der Monat vor Ort, der Monat mit deutlich weniger Urlaubsstimmung, auch der Monat in dem ich ein paar Wochen alleine hier war, in mich gehen konnte – mir hat dieser Monat ungemein geholfen in dieses Leben einzutauchen, zu realisieren, dass es MEIN Lebensmodell ist, letzlich geholfen es anzunehmen. Es hat an Wichtigkeit gewonnen und dieser Prozess hat für Klarheit gesorgt, gerade auch im Hinblick auf die Frage wie es mit NESSAJA weitergeht, wie Sicherheiten und Prioritäten zu setzen sind – Danke Wilfried Erdmann!

Ich bin zufrieden – ich bin glücklich!

Wegen meiner Reise nach Deutschland ist der Augustbericht etwas früher online – mir bleibt in den beiden noch verbleibenden Tagen ein letztes Projekt abzuschließen. Ich muss ein aboxidiertes Erdungskabel sanieren und neu befestigen – das sollte zu schaffen sein!

Ein letzter Punkt liegt mir am Herzen – dabei spreche ich die Segler, die Motorbootfahrer, die Taucher unter Euch an, aber auch die Liebhaber des Meeres und der dort lebenden Tiere, Naturverliebte oder allgemein verantwortungsbewusste, zukunftsorientierte Menschen…

Unser Ansprechpartner in der Leros Marina Evros, Harry Pavlidis, hat gekündigt obwohl er hier einen sicheren Job hatte. Er wird in Zukunft als „Vice President“ der „Aquahelp Foundation“ tätig sein.

Ich finde, das ist ein persönliches Wagnis um Beruf zur Berufung zu machen. Ich möchte mich mehr und mehr für solche Organisationen interessieren und mich ggf. auch einbringen.

Schaut doch einfach mal auf die Webseite…

https://www.aquahelp.info/

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen restlichen August und einen, aus deutscher Sicht, hoffentlich wunderschönen, spätsommerlichen September.

Im Septemberbericht erwarten Euch News zu meiner „Motorradüberführung“ und zur Projektfertigstellung – und natürlich endlich mal wieder ein Törnbericht!

Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA – der Skipper!

Juli 2021 – Cats in the Cradle

Wie immer ein Songtitel – diesmal einer den wohl die meisten von Euch in der Version von Ugly Kid Joe kennen. Ich mag das Original von Harry Chapin seit vielen Jahren und besitze bzw. besaß die original 45rpm Single (vielleicht hat mein Junior die ja noch). Im Text geht es darum, dass Väter gerne im Alltag übersehen, Zeit mit den Kindern zu verbringen – die Zeit verfliegt und ehe man sich versieht sind sie erwachsen – die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen…

Ich kenne diese Krux auch, wenngleich es bei mir – hoffe ich zumindest – nicht so ausgeprägt war wie der Text beschreibt – dennoch war ich richtig glücklich und voller Vorfreude, dass mein Sohn Stefan nebst Freundin Amelie die ersten Familienmitglieder waren, die sich als Besuch angemeldet haben. Der Juli stand also im Zeichen des Familientreffens, das erste nach unserer Abfahrt am 02.03.!

Seht mir nach, dass dies auch der Grund ist, warum der Bericht etwas länger ausfällt, es gab einfach viel zu erzählen, zu teilen. Nehmt Euch etwas Zeit, ein kühles Getränk und lasst Euch in unsere Welt entführen.

Wir springen zurück zum letzten Tag des Monats Juni. Nach einem sehr guten Dinner hatten wir uns von der Crew der ELOWYN verabschiedet um Richtung Norden zu fahren. Wir waren ausgestattet mit Tipps und unser erstes Ziel sollte die Doppelbucht von Kythnos sein. Dort kamen wir am späten Nachmittag an – wir waren recht früh losgefahren…

Doppelbucht von Kythnos – NESSAJA liegt mittig (rechts)

Das Bild täuscht etwas, das Wetter macht einen trüben Eindruck, das war aber nicht so. Wir hatten einen guten Ankerplatz, schwammen an Land, hatten in der Taverne am Hang einen kleinen Snack und lauschten der Lounge-Music aus der Bar am Strand.

Was gut klingt, wurde dadurch getrübt, dass sehr kurzfristig Westwind angesagt wurde, dieser auch noch stärker als zunächst angenommen – das ist dann ärgerlich, wenn der tolle Ankerplatz in einer Westbucht liegt. Also haben wir uns kurzfristig entschlossen den Ankerplatz zu wechseln und in eine kleine „Bucht in der Bucht“ zu verholen welche besser geschützt schien. Doch weit gefehlt!!!

Ankerbewegungen in der Nacht – Negativbeispiel!

Der Wind kam, wurde durch Landeffekte aber so abgefälscht und verstärkt, dass unser Anker zwar hielt aber irgendwie falsch lag. Wir hatten zuwenig Platz! So musste ich zwischen 0230 und 0530 immer wieder den Motor starten und manuell die Kette neu ausrichten – so kam obiges Bild zustande – ein Beispiel wie es NICHT sein soll. Wieder etwas gelernt.

Wir haben den ungastlichen Platz früh verlassen und uns auf den Weg Richtung Saronischer Golf / Athen gemacht. Die unruhige Nacht hat Spuren hinterlassen und wir haben mit dem Schlaf gekämpft.

Doch auch diese Überfahrt bot Überraschungen und schöne Momente, zum Beispiel als wir den Weg einer Wasserschildkröte kreuzten, welche gemächlich dahinschwamm und sich durch unsere „Fotosession“ nicht stören ließ…

…war recht groß – kommt auf dem Bild gar nicht so raus.

Ein paar Stunden später kam das ersehnte Kap des griechischen Festlandes in Sichtweite – Sounion. Wir hatten viel davon gehört, waren aber selber mit dem Schiff noch nie hier. Neuland also für uns…

Poseidons Tempel sah umso beeindruckender aus, je näher man kam – diese Sehenswürdigkeit wollten wir uns später noch genauer ansehen. Doch jetzt stand erstmal die Suche nach einem guten Ankerplatz im Vordergrund.

NESSAJA vor Anker / Sounion
Sunset / Kap Sounion

Wir hatten Glück! In der sonst gerne recht vollen Bucht, haben wir noch einen schönen Platz im Zentrum gefunden. Der Anker hielt gut, es lag genug Kette und die Ankerpeilungen passten. Wir hatten genug Schwoiraum und konnten unseren Sundowner daher unbeschwert genießen.

Diesmal war es so wie es sein soll. Wir hatten eine ruhige Nacht, konnten ausschlafen und auch der morgentliche Blick auf die Ankerapp zeigte keine Probleme während der Nacht. Diesmal ist das Bewegungsbild unserer NESSAJA vor Anker wie es sich gehört…

Bewegungsbild über drei Tage – mit Winddreher und Zugabe von Kette

Die Bucht wurde zunehmend voller, das Wochenende nahte und die Charterkunden aus der näheren Umgebung nutzten Sounion ebenfalls als erstes oder letztes Ziel auf Ihrem Weg in die Stationen rund um Lavrion und Athen.

Dabei gibt es immer viel zu beobachten. Von sehr „speziellem“ Ankerverhalten mal ganz abgesehen, ist auch die Flaggenführung nicht immer regelkonform. Naja, hier muss ich wohl meine nautischen Prinzipien über den Haufen schmeißen 😦

Flaggenführung – neu interpretiert

Auf einem Seeschiff hast Du das Wetter und dessen Entwicklung über die nächsten Tage immer im Blick. Der eine (Skipper) angemessen aber weniger oft, die andere (Capetania) gaaaaanz viel öfter! Es gibt hier hilfreiche Apps die den Wetter- und vor allem Windverlauf optisch recht eindeutig darstellen – blau bedeutet motoren, grün bedeutet schön segeln, gelb bedeutet für uns unangenehmes Segeln welches es zu vermeiden gilt und rot bedeutet GEFAHR!!!

Die Capetania mahnte zum Aufbruch, Gefahr im Verzug – es war an der Zeit unseren Ankerplatz zu verlassen und einen sicheren und angenehmen Rückzugsort zu suchen bis Stefan und Amelie ankommen würden – der Meltemi fährt zum erstem Mal im Jahr 2021 seine Krallen aus!

Auch mir war nach ein paar Tagen ohne Verantwortung, so mussten wir uns zwischen der Kaimauer von Lavrion und der Olympic Marina Lavrion entscheiden. Es war eine Entscheidung zwischen ruhigem Liegen, idealem Empfangsort für unseren Besuch und hohen Kosten auf der einen Seite und lautem Trubel, unsicherer Platzvergabe und fehlenden Sanitäranlagen zu einem wesentlich günstigeren Preis anderseits. Wir wollten uns das ansehen und sind in den Hafen von Lavrion gefahren…

Hafeneinfahrt Lavrion

Just nachdem wir ankamen haben ich die Antwort auf ein vor Tagen geschriebenes Mail erhalten – wir könnten kommen, müssten aber zum Wochenende den Kai verlassen. Genau zu dieser Zeit brauchten wir den Platz aber! Sowohl der Meltemi als auch der Besuch aus der Heimat hatten ihr Erscheinen für das Wochenende angekündigt – alea iacta est – wir entscheiden uns für das „Rundum Sorglos Paket“ und verholen in die Olympic Marina Lavrion. Ich habe in diesem Moment begonnen ein Bündel kleiner Scheine zu zählen und mich von denselben zu verabschieden…

NESSAJAs Platz in der Olympic Marina (Pier 4 / 133)

Ein schöner Platz! Eng zwar, aber außen am Ponton. Das mögen wir – hier latscht dir keiner am Cockpit vorbei, hier kannst mal duschen wenn du schwitzt und es ist gut durchlüftet.

Was wir zu dieser Zeit schon wussten – Freunde von uns hatten auch diesen Ort gewählt um den Meltemi auszusitzen und um in dieser Zeit noch ein paar Reparaturen durchzuführen. Die AMAE ist auf dem Weg Richtung Westen, wir hatten uns in Leros verabschiedet und es war schön, hier noch einmal zusammenzutreffen. Ok, so ganz stimmt das nicht, Kristel war für einige Tage in der Schweiz und so kam es, dass wir Philipp zur Einweihung unseres neuen COBB Grills eingeladen haben…

TOP! Der Grill ist super! Er hat sich bewährt, heizt – tschengpeng – superschnell auf und ist nach der Nutzung easy zu reinigen. Ein Topprodukt welches wir aus heutiger Sicht sehr empfehlen können. Wir haben Ihn inzwischen mehrfach genutzt und grillen für zwei Personen fünfmal mit einer Kartusche (welche übrigens ca. 5.- bis 6.-€ kostet – der Preis war für ein anderes Produkt).

Auf diese Art und Weise können auch Hafentage sehr schön sein – wir hatten einen herrlischen Abend mit Philipp und fielen nach ein paar Dosen „Mamos“ recht seelig ins Bett.

Neuer Tag – neues Glück! Ob mir der Song „Himbeereis zum Frühstück“ (kennt eh keiner mehr) jemals eine Headline wert sein wird? Eher nicht! Dennoch war es zu dieser Zeit schon so heiß, dass ich kurzerhand entschieden habe statt der üblichen Morgenmahlzeit eine Portion der frostigen Schleckerei zu mir zu nehmen – ein GENUSS!

Nach dem obligatorischen Einkauf in Supermarkt (klar) und „Jumbo“ (muss man kennen!), klagte Sibylle ihr Recht auf Bewegung und Kultur ein. Wir mieteten einen Scooter und machten die Gegend unsicher…

Klar, dass nun neben diversen Badestränden auch der Besuch von Poseidons Tempel auf dem Programm stand. Wir fuhren also am Landweg zum Kap Sounion und berappten brav die geforderten 10.-€ (pro Person) für die Kulturstätte. Nun, das war es wert! Ein ausgesprochen schöner Tempel, gut erhalten und beeindruckend…